Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Go, go, Goliath

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

"Ließ sich die Regierung vom Mediaprint-Chef erweichen?", lautete die rhetorische Frage auf dem Falter-Cover. Natürlich ließ sie sich, und das Parlament gleich dazu. "Was andere Medien nur recherchieren durften, im Falter können Sie es auch lesen", versprachen Martin Staudinger und Bernhard Odehnal, und sie hielten Wort. Hans Dichand wollte ein Sondergesetz, das Zeitungskolporteure von der allgemeinen Werkvertragsregelung ausnahm, und er bekam es. "Ob wir einmal mehr oder weniger als ein Büttel der Krokuwaz dastehen, trifft uns auch nicht mehr", sagte dazu ein SPÖ-Mitarbeiter.

Während also Regierung und Parlament Hans Dichand gegenüber resignierten, versuchte die Mediaprint, den Falter umzubringen.

In der Rubrik "Liebe Leserin, lieber Leser" stand: "In der neuesten Ausgabe des Medienmagazins tv-Media wird unter dem Titel ,Dem Szeneblatt Falter droht Konkurs' berichtet, ,rund 100 Exekutionen nach dilettantischen Falter-Werbeaktionen könnten das Ende der Stadtzeitschrift bedeuten'. Daran ist richtig, dass die Mediaprint, die gemeinsame Verlagsfirma von Kurier und Kronen Zeitung, gegen die Falter Zeitschriften Ges.m.b.H. eine Anzahl von Strafanträgen eingebracht hat, die vom Erstgericht ohne inhaltliche Prüfung gegen den Falter entschieden wurden."

Das Verfahren gehe in die zweite Instanz, diese habe noch nicht gesprochen. Außerdem handelt es sich keineswegs um dilettantische Werbeaktionen, sondern um das Falter-Abonnentenservice. Der Falter rechne mit einer reduzierten Geldstrafe und einem Urteil frühestens in zwei Jahren (so kam es dann auch)."Wahr ist allerdings, dass die Mediaprint mit dieser Aktion nicht nur den unangenehm gewordenen letzten Satz (im Kommentar des Chefredakteurs: 'Im Übrigen bin ich der Meinung, die Mediaprint muss zerschlagen werden'), sondern eine insgesamt unangenehm gewordene Zeitung bedroht." Seinen "Lesern, Inserenten und Geschäftspartnern" versicherte das geklagte Blatt: "So leicht lässt sich der Falter nicht unterkriegen."


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