Die verlorene Ehre des Recep Erdogan

Antirassismus und Aktivismus: Wie der türkische Präsident und die Identitären linke Ideen missbrauchen


KOMMENTAR: MATTHIAS DUSINI
Falter & Meinung | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan fühlt sich durch ein Gedicht des deutschen Satirikers Jan Böhmermann beleidigt (siehe auch S. 24). In Wien stürmte eine Gruppe von Identitären ein Theater, um gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu protestieren. Was haben die Vorfälle gemeinsam?

Die Böhmermann-Kontroverse versteift sich auf einen Paragrafen, der die Beleidigung eines Staatsoberhauptes bestraft, ein Überbleibsel feudaler Majestätsbeleidigung. In der Türkei gab es zahlreiche Prozesse gegen Erdoğan-Kritiker, etwa gegen einen Arzt, der ihn mit Gollum, einer Fantasy-Figur aus "Herr der Ringe", verglich.

Zu Unrecht wird Erdoğans Dünnhäutigkeit als Ausdruck einer archaischen Kultur interpretiert, als Ämter und Ehen noch heilig waren. In Westeuropa liegt diese Zeit gar nicht so weit zurück. Theodor Fontane erzählt in "Effi Briest" (1894/1895) die Geschichte einer Frau, die ihren Gatten betrügt. Als die Affäre auffl iegt, fordert der gehörnte Ehemann den Liebhaber

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