BUNDESLÄNDER

Frühjahrsfrische im Ausseerland

Hochrangige Autoren wie Martin Walser oder Clemens Setz kommen zum Literasee-Festival


SEBASTIAN FASTHUBER

Lexikon, FALTER 16/16 vom 20.04.2016

In der Monarchie und noch einige Zeit darüber hinaus war das Ausseerland ein beliebtes Ziel von Sommerfrischlern. Die prächtige Landschaft hat auch viele Autoren angezogen, sie fanden hier Ruhe zum Arbeiten und eine inspirierende Natur vor. Raoul Auernheimer, ein Zeitgenosse Hofmannsthals und Schnitzlers, verglich den wegen seiner Tiefe so dunklen Altausseer See mit einem "riesigen Tintenfass, in das die im Kreise herumsitzenden Dichter ihre Federkiele tauchten".

Lang schien in Bad Aussee und Altaussee die Zeit stehen geblieben zu sein, doch seit kurzem zieht es wieder Autoren an. Zu danken ist es Petra und Davor Barta vom Hotel Die Wasnerin, die sich nicht damit zufriedengeben, ihren Gästen Wellness zu bieten. Sie wollen das Ausseerland, das geografisch den Mittelpunkt Österreichs bildet, wieder auf die literarische Landkarte bringen und haben sich deshalb der Literaturförderung verschrieben. Sie vergeben Schreibstipendien, veranstalten Lesungen und seit letztem Jahr auch ein hochwertiges Literaturfestival ohne hektisches Gewusel namens Literasee.

Zur Premiere im Vorjahr kamen John Burnside, schottischer Erzähler und Dichter von Weltrang, Arno Geiger und Doris Knecht. Der Saunabereich des Hotels, der Festivalgästen offensteht, blieb angesichts des gebotenen Programms die meiste Zeit leer. Sehr positiv: Restaurative Rückgriffe auf das Fin de Siècle sparte man sich, das Programm präsentierte sich modern. So referierte etwa Sigrid Löffler über die von Migranten geprägte "neue Weltliteratur", Megacitys und hybride Identitäten.

Von Freitag bis Sonntag steigt die zweite Ausgabe von "Literasee". Die Stars des Festivals sind heuer Martin Walser, der auch hoch in seinen 80ern nichts von seiner Produktivität eingebüßt hat und aus seinem aktuellen Roman "Ein sterbender Mann" liest, und der bedeutende Germanist und Mäzen Jan-Philipp Reemtsma. Er spricht übers Lesen und stellt sein neues Buch "Was heißt das eigentlich: einen literarischen Text interpretieren?" vor.

Auch jüngere Generationen sind stark vertreten. Zum Festivalauftakt liest die in Österreich lebende Ukrainerin Marjana Gaponenko aus "Das letzte Rennen", ihrem gewitzten Roman über einen modernen Taugenichts. Clemens J. Setz bietet einen Einblick in den ausufernden Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre", und Hans Platzgumers Lesung aus seinem Buch "Am Rand" findet im Rahmen einer Sonderführung in den Salzwelten Altaussee statt.

Die Wasnerin. G'sund &Natur Hotel, Fr und Sa 14.00, So 11.00

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FALTER 21/19
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