"Ich glaube nicht ans Paradies"

Das Leopold Museum zeigt die Künstlerin Berlinde De Bruyckere, die mit ihren Wachsfiguren Ekel und Faszination auslöst

Feuilleton | BEGEGNUNG: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Monatelang befolgte Berlinde De Bruyckere 2014 eine selbstauferlegte Regel. "Jeden Freitag habe ich mich zurückgezogen und versucht, das Gefühl von Schmerz auf Papier zu bringen", erzählt die 51-Jährige bei einem Rundgang durch ihre aktuelle Wiener Schau. Was sich wie die Idee eines schlechten Kunsttherapeuten anhört, führte bei De Bruyckere zu vier neuen Arbeiten -dem Sukkus aus Dutzenden verworfenen Zeichnungen.

Zwei dieser Schmerzensblätter hängen derzeit unter dem Titel "The Wound" im Leopold Museum. Auch ohne Kenntnis des Titels lassen die in bourdeauxroten Aquarellfarben und mit festen Bleistiftstrichen gemalten Bilder kaum eine andere Assoziation als rohes Fleisch zu.

De Bruyckeres Kunst ginge "unter die Haut" ist immer wieder zu lesen. Und tatsächlich löst der Ausstellungsparcous ihrer Wachsskulpturen ein Wechselspiel von Unbehagen, Ekel und Trauer bis hin zu Neugier und Faszination aus.

Es ist beeindruckend, dass die Künstlerin keinerlei Angst davor hat, pathetisch zu wirken.


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