Kunst Kritik

Auch Grace Kelly trug einen Pongauer Janker

Lexikon | NS | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Was haben bunte Walkjanker im Mumok verloren? Kathi Hofer hängt diese alpinen Jacken, die die Textilfirma ihrer Familie bis zur Jahrtausendwende hergestellt hat, in ihre aktuelle Schau. Dass die 1981 in Hallein geborene Künstlerin in einer New Yorker Vintageboutique zufällig einen Janker mit dem Markenetikett Hofer entdeckte, machte sie neugierig auf die Unternehmensgeschichte ihrer Großeltern.

An der Wand hängt nun etwa eine historische Displaytafel mit Krawatten des Designers Kenzo, der mit den Salzburger Trachtenmodeproduzenten kooperierte und dessen Entwürfe auch leuchtendes Lila, Gelb und Ultramarin als neue Farben in der traditionellen Produktpalette anregte.

Hofers unsentimentale Installation besteht zur Gänze aus angeeigneten Objekten, zum Beispiel gepolsterte Tafeln, auf die sie kleine Quadrate aus Walkstoff pinnt, eine alte Strickmaschine oder große Gestelle aus in Rankformen geschmiedetem Eisen, die offenbar auch als Displayelemente und Spiegelrahmen fungierten. Mit Titeln wie "Elevated Casual" oder "Vogue en Autriche" verweist sie auf die internationale Karriere des österreichischen Landhausstils, der auch bei mondänen Berühmtheiten wie Grace Kelly oder Ernest Hemingway beliebt war.

Wie schon bei früheren Ausstellungen schreibt die Konzeptkünstlerin ihre Autorinnenschaft gewissermaßen klein, indem sie bereits vorhandene, "banale" Objekte neu gruppiert und ins Rampenlicht bringt. Sie interessiert sich für die Aura von Alltagsgegenständen, für Produktionsformen und Kreativität auf einem massentauglichen Niveau. Das Image und die Vermarktung der zum Modeartikel aufgestiegenen Bauernjacke lässt sich auch anhand der herrlichen Werbefotos und Materialien nachvollziehen, die die Künstlerin für den Ausstellungskatalog aus dem Archiv der Firma Hofer ausgegraben hat.

Mumok, bis 22.5.


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