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Flüchtlingsgeschichten fürs Nazi-Publikum

BETRACHTUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Es war eine der originellsten Werbeaktionen des Jahres 2011. Auf dem rechtsextremen Festival "Rock für Deutschland" verteilten Funktionäre der neonazistischen NPD Leiberln an Besucher. Ein Spender hatte ihnen die T-Shirts mit dem Aufdruck eines Totenkopfs und dem Spruch "Hardcore Rebellen National und Frei" geschenkt.

Die Nazis, die ihr verschwitztes Leiberl nach dem Festival wuschen, sahen darauf nur noch ein verblasstes Totenkopf-Logo. Stattdessen kam ein Werbespruch der Initiative Exit zum Vorschein: "Was dein T-Shirt kann, kannst du auch -Wir helfen dir, dich vom Rechtsextremismus zu lösen." Exit, der ominöse Spender, hilft jenen Neonazis, die keine mehr sein wollen, aber sich nicht aus der Szene auszusteigen trauen.

Fünf Jahre später legt es die deutsche Organisation "Flüchtlinge willkommen" ähnlich an. Mit ihrer Kampagne "Search racism! Find truth!" (zu Deutsch: "Suche Rassismus! Finde die Wahrheit!") schaltet sie zielgerichtet Werbung vor einschlägigen Videos, in denen Hassprediger gegen Flüchtlinge hetzen.

Es handelt sich um jene Art von Werbeclips, die sich nicht wegklicken lassen. Wer Hetze hören will, muss sich davor also die Werbung anschauen, in denen freundliche Flüchtlinge zu Wort kommen. Syrerin Najlaa erzählt mit Blick in die Kamera, wie ihr Haus bombardiert wurde und ihre Cousins starben. Bakary aus Mali erklärt das Wort "Vorurteil" und widerlegt dabei, dass Flüchtlinge nicht deutsch sprechen wollen.

Allesamt enttarnen sie genau jene falschen Behauptungen, die die Zuschauer im darauffolgenden Video hören werden. Einziger Pferdefuß der Aktion: Die Werbeeinnahmen gehen an die rechten Seitenbetreiber.


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