Ohren auf Aus lokalem Anbau

Poetischer Pop von Problem- und Brummbären

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Vergangenes Jahr waren Ernst Molden und Nino Mandl alias Der Nino aus Wien vor allem als Duo aktiv. Nun legen die beiden zeitgleich neue Soloarbeiten vor. Während Molden sich auf Albumlänge mit der Donau beschäftigt (siehe Artikel im Landleben), errichtet Mandl der "Adria"(Problembär) ein kleines Denkmal. Seine Stammband wird auf den sechs Songs des Minialbums um Gäste erweitert, und Mandl selbst präsentiert sich zwischen eigenwilligem Liebeslied und prächtiger Alltagschronik, zwischen Walzer, Dylan-Adaption, psychedelischem Rock und akustischem Chanson in großer Form.

Seine Labelkollegen Filou um den Autor Lukas Meschik starten schmissig in ihr drittes Album "Feste Farben". "Mein Kopf ist ein müder Regent, der sein Volk mehr verwaltet als lenkt" heißt es da, die Musik klingt wie eine Discoversion von Kreisky, und nach zwei Minuten ist der Spaß schon wieder vorbei. Tanzbare Indierocker dieser Art folgen noch einige, allerdings setzt es auch nicht ganz so überzeugenden Sanftmut-Poesiepop.

Neuschnee, wie Der Nino aus Wien ein Problembär-Act der ersten Stunde, sind Rockband und Streichquartett zu gleichen Teilen. Das neue Album "Schneckenkönig" ist ein Konzeptwerk, das versucht, eine persönliche Krise in ambitionierte Kunst zu übersetzen. Da steckt durchaus viel drin, Reduktion und Bombast, Klavierballade und elektronischer Beat, Eingängiges und Verqueres; ein wenig manieriert und forciert bedeutungsschwer mutet es bisweilen aber schon auch an.

Alfred Goubran ist kein Problemsondern ein Brummbär; als deutschsprachiger Liedermacher nennt sich der Kärntner Autor [goubran]. Sein gepresst-monotoner Gesang ist gewöhnungsbedürftig, der Rest an "Irrlicht" (Konkord) aber großartig: Blues trifft Prog trifft Rock, mal aufwühlend und intensiv, dann wieder von getragener Schönheit, dabei stets stimmungsvoll in Szene gesetzt.


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