Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Flugshow der Welt der Woche

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Um Erhebendes zu erleben, hilft es oft, den Blick zu heben. Am vorerst letzten frühlingshaften Frühlingstag vergangenen Freitag schwappte gerade eine schöne Schaumkrone Cirrus' über die Dachkante in der Großen Pfarrgasse, unter der ein very British cosmopolitan stand, hervorragend dazu geeignet, dem inneren Frühling auf die Sprünge zu helfen.

An diesem Abend war die innere Wetterlage des Hans-Guck-in-die-Luft im Einklang mit der äußeren, und so passte es auch prächtig, dass er in diesem Moment die ersten Mauersegler des Jahres entdeckte. Sie waren nicht zu hören und zogen ungeheuer oben übers Firmament, so als ob sie sich noch etwas Zeit lassen wollten, bis sie ihr angestammtes Habitat beziehen, oder besser: befliegen würden.

Von allen Zugvögeln ist der Mauersegler einer der spektakulärsten. Im Unterschied zu den Schwalben, mit denen er gerne verwechselt wird, aber keineswegs eng verwandt ist (da steht er dem Kolibri näher), baut er keine Nester und ist in Spalten, Höhlen und unter Dächern auch kaum "zu Hause" anzutreffen. Apus apus ist etymologisch betrachtet ein "Ohnefuß", sprich: mit seinen Stummelbeinen gerade einmal in der Lage, sich wo anzuklammern. Gehen oder hüpfen geht gar nicht, denn der Bonusmeilenkönig erledigt alles außer der Brutpflege in der Luft, inklusive essen und trinken, schlafen (auf 3000 Metern Höhe) und, genau: der Mauersegler ist der Vogel, der im Fliegen vögelt.

Mit einem schrillen "Srrriii" schießen die sichelflügeligen Segler wie von sirrender Sehne abgeschossen des Sommers durch die Gassen, bis sie Anfang August auch wieder nach Afrika abziehen. Ein gutes Quartal lang machen sie hier die heißeste Flugshow der Stadt, das sollte man doch mit einem fetten Thumbs up würdigen: "Shoot along, swift!"


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