Film Festivaltipp

Kopflos in die Nacht: Das Festival "Slash 1/2"

Lexikon | MARTIN THOMSON | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Seitens des "Slash"-Teams wurde unlängst verkündet, dass ihr Filmfestival dem Wahnsinn anheimgefallen wäre. Aber keine Sorge! Es handelte sich um keine Krankmeldung, die heurige Halbjahresausgabe absagen zu müssen, sondern um eine Absichtserklärung, dem gegenwärtigen Wahnsinn der politischen und sozialen Realität eine Form geistiger Umnachtung entgegensetzen zu wollen, die für die Wirklichkeit folgenlos bleibt. Eine, aus der unsere irrationalsten Ängste, Vorstellungen und Gelüste ins nackte Licht treten können, ohne dafür real und möglich sein zu müssen.

Ein Regisseur, der für die kopflose Hingabe an das Unwahrscheinliche einen kongenialen Ausdruck findet, ist Robert Eggers. Sein Sundance-Gewinner "The Witch", eine 1630 spielende Beschwörung auf das Amerika der puritanischen Pilgerväter, ist ein kleines Meisterwerk. Die neue Welt wird der evangelikalen Familie zu einer Projektionsfläche für ihre christlichen und abergläubischen Wahnvorstellungen. Die Landschaften wirken impressionistisch, die Bildsprache ist präzise, das Zeit-Kolorit scharf. Zugleich wird die Grenze zwischen Arthouse-und Genrekino verwischt, weil der Einbruch des Okkulten, Übernatürlichen drastisch und zugleich psychologisch fundiert ist.

Zwei Empfehlungen, die mehr in Richtung grell-absurder Pop-Wahnsinn gehen, sind "The Lure" und "In Search of the Ultra-Sex". Ein Fisch-Fetischisten-Erotikfilm mit Musicaleinlagen von nymphomanischen Meerjungfrauen, die gleichzeitig auch Vampire sind. Und ein Sci-Fi-Film über eine Sex-Epidemie, den Nicolas & Bruno aus den krudesten Pornos des VHS-Zeitalters zusammen geschnitten und mit einer eigenen Synchro versehen haben. Absonderliche Körperformationen lustgymnastischen Irrsins. Verdientermaßen inzwischen ein Kultfilm.

Von 28. bis 30.4. im Filmcasino


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige