Film Neu im Kino

Auferstehung eines Handlungsreisenden


SABINA ZEITHAMMER
Lexikon | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Vom Businessman zum Klinkenputzer in Saudi-Arabien: Durch die Wirtschaftskrise verschuldet, versucht der US-Amerikaner Alan Clay als Consultant sein Glück in Dschidda. Der König hat Interesse an einem Hologramm-Konferenzsystem, das Alan vorstellen will. Nur leider ist der König nie da.

Mit "Ein Hologramm für den König" adaptierte Tom Tykwer den gleichnamigen Roman von Dave Eggers, dessen tragische Aspekte er in Richtung Komödie umdeutet. Die erste Hälfte des Films beschäftigt sich mit dem Scheitern der Geschäftsanbahnung im Clash der Kulturen: Alans Chaos -er verschläft ständig und hetzt mit Taxifahrer Yousef zu seinem Team -wird noch übertroffen von der Unzuverlässigkeit der Araber. Die Westler werden vernachlässigt, belogen und vertröstet, was halb lustig abgehandelt wird.

Zunehmend überlagert die Thematik der Machtverschiebung in der globalisierten Welt (auch die Chinesen spielen eine Rolle) jedoch ein anderer Handlungsstrang. Ein Geschwür treibt Alan in die Praxis der saudischen Ärztin Zahra. Zwischen Lebenskrise, Alkoholexzessen, Panikattacken und einem Ausflug aufs Land entwickelt der Amerikaner allmählich Gefühle für sie.

Tykwers Versuch, den Stillstand, den das Buch beschreibt, "dynamisch zu erzählen", funktioniert mäßig gut. Die vielen fokuslosen Handlungselemente erscheinen angesichts des Endes wie eine Aneinanderreihung von McGuffins. Nach einer Mischung aus schrägem Humor, Desillusionierung und der unkritischen Andeutung aktueller Themen folgt die tröstliche Einsicht, dass ein (im Schnellverfahren skizzierter) Neuanfang auch mit Mitte 50 und nach einer Reihe von Rückschlägen möglich ist. Von Tom Hanks, Alexander Black und Sarita Choudhury erfreulich gespieltes, mittelmäßiges Zielgruppenkino.

Ab Fr in den Kinos (engl. OF im Artis)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige