Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Klagen, Klagen


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Falter & Meinung | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

"Jetzt 30 Prozent frecher" versprach ein reißerischer Stern auf dem Cover. Das ging gegen die Mediaprint. Der mächtige Medienkonzern aus Kronen Zeitung und Kurier hatte den Falter auf perfide Weise geklagt. Der Konzern brachte eine Wettbewerbsklage vor dem Handelsgericht ein, und klagte anschließend jeden Tag aufs Neue, mit dem Zusatz, es möge über diese Klagen erst entschieden werden, wenn in der ersten Sache entschieden sei. Der Richter spielte mit und ließ sich mit dem Urteil Zeit, sodass wie aus dem Nichts plötzlich hundert Klagen auf den Tisch des Falter-Anwalts flatterten. Wert: existenzbedrohende 5,5 Millionen Schilling. Der Mediaprint-Justitiar Ernst Swoboda hatte einst in einem juristischen Fachjournal geschrieben, solche Klagen zielten darauf ab, andere Medien umzubringen. Nun kommentierte er trocken: "Uns ist das Schicksal des Falter eigentlich egal. Uns geht es vor allem darum, dass sich auch der Falter an die Gesetze hält."

Es war die Zeit der großen Wettbewerbsklagen, Medien deckten einander mit Millionenklagen ein, die sich dann in den Bilanzen neutralisierten; solchen finanziellen Aufwand konnte und wollte sich der Falter nicht leisten. Der Grund der Klage lag auf der Hand. Man lasse sich von einem Terrier nicht ans Bein pinkeln, hatte ein Miteigentümer der Mediaprint in Bezug auf den Satz gesagt, der stets am Schluss der Kolumne "Seinesgleichen geschieht" erschien: "Im Übrigen bin ich der Meinung, die Mediaprint muss zerschlagen werden." Natürlich stand der Satz noch lange da.

Die Konkurrenz zeigt in dieser Situation ihr Gesicht. TV-Media schrieb: "Dem Szeneblatt Falter droht der Konkurs". Der Standard korrigierte: "Nicht von ungefähr thematisiert TV-Media dieses Thema gerade jetzt. Einmal partizipiert das Blatt selbst vom (sic) Mediaprint-Vertriebssystem, zum anderen enthüllt die aktuelle Falter-Ausgabe unter der Überschrift ,Kniefall vor Dichand' die Hintergründe, wie sich die Mediaprint für ihre Kolporteure eine Ausnahmegenehmigung vom neuen Gesetz besorgte, das Werkverträge in die Sozialversicherungspflicht zwingt."


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