Die Schweizermacher

Wenn man sich fragte, was eigentlich die Schweizer essen, weiß man das jetzt

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Wir nehmen zur Kenntnis: Das mit den Imbiss-, Quereinsteiger- und Kleinlokalen scheint heuer absolut unvermeidlich zu sein. Okay, immerhin machen Quereinsteiger oftmals eher jene Lokale, die ihnen persönlich ein dringendes Anliegen sind, und weniger jene, von denen sie überzeugt sind, dass es da ein riesiges Publikum und somit jede Menge Geld zu verdienen gäbe.

Gewagte Behauptung, ich weiß, aber bei Kathrin Gubler ist das mit ziemlicher Sicherheit der Fall. Die Frau kam vor ein paar Jahren mit Familie nach Wien, arbeitete in der Werbung, wollte ursprünglich nur zwei Jahre bleiben und verlängerte dann immer wieder. „Weil die Menschen hier so freundlich sind“, sagt sie. Aha, okay, jedenfalls musste Familie Gubler für Freunde immer wieder Fondue und Raclette machen und irgendwann beschloss Kathrin Gubler dann, dass das auch ein Einkommensmodell sein könnte.

In der Lange Gasse, wo sie auch wohnt und wo es mit dem Jumi-Käseladen einen Brückenkopf schweizerischer Lebenskultur gibt, fand sie kein Lokal, daneben in der Strozzigasse aber sehr wohl, weil da teilten sich gerade eine Friseurboutique und das grandios gemütliche Mini-Lokal „kommod“ die ehemalige Bäckerei, ein lange Jahre leerstehender Lagerraum war übrig, den machte Kathrin Gubler zu Gubler & Gubler. Mit ein bisschen altem Mobiliar, wie man das derzeit halt hat, und mit zwei Fensterbänken, die zu extrem gemütlichen, gepolsterten Chill-Zonen gestaltet wurden, wie es derzeit noch kaum wer hat. Ein bisschen viel rosa vielleicht, aber okay.

Und was gibt’s zu essen? Zwischen 14.30 und 17 Uhr zuerst einmal wenig, weil da die Küche zu ist. Keine Ahnung, ob das typisch Schweizerisch ist, bei einem Lokal mitten in der Josefstadt, das eh nur bis 20 Uhr offen hat, erscheint es aber ein bisschen kleinlich. Aber „Wähen“ waren noch da, das sind schweizerische Quiches, eine mit Mangold, eine mit Spinat, die mit Spinat war okay, aber halt ein bisschen fad (€ 3,80). Außerdem gab’s noch ein Laugenbrezel, das mit dünngeschnittenem Mostbröckli gefüllt war, einem nahen Verwandten des Bündnerfleischs. War okay, die Butter hätte nicht sein müssen (€ 4,80). Ein bisserl tragisch ist halt, dass sowohl Mostbröckli als auch die schon von mehreren Seiten sehr gelobte Kalbsbratwurst von einer tollen Fleischhauerei aus Feldkirch stammen, was zwar sehr in der Nähe der Schweiz ist, aber halt trotzdem Vorarlberg. Und dass das Bier auch aus V-Berg stammt, es keinen Schweizer Wein gibt, dafür aber Club- und Currysandwich, ist auch ein bisserl suboptimal. Der Käse stammt dafür von Jumi, das Müsli machen die Gublers selbst, ebenso einen süßen Irrsinn aus Zucker und Rahm namens Nideltäfli. Und der Espresso kommt zwar aus San Marino, ist aber super und wird außerdem in der dickwandigsten Tasse der Stadt serviert. Gutpünktli.

Resümee:

Eine neue kleine schweizerische Imbissstube, die vielleicht ein bisschen schweizerischer sein könnte.

Gubler & Gubler, 8., Strozzig. 42,
Tel. 01/916 60 90, Mo–Fr 8–20, Sa 9–20, So 10–20 Uhr, www.gublergubler.at


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