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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Wir haben das Tratschen verlernt, stattdessen verplempern wir die Zeit mit Chats, Blogs und Tweets. Das impulsgesteuerte Daumen rauf, Daumen runter ersetzt das konzentrierte Plaudern auf Augenhöhe. Schon fordert die Soziologin Sherry Turkle eine Rückbesinnung auf die Tugenden der Konversation.

Wie recht Sherry Turkle doch hat. Verhaltensforscher haben herausgefunden, warum sich Affen entlausen. Es geht weniger um das Ausknipsen der lästigen Tierchen, sondern um das wärmende Gemeinschaftsgefühl. Wer die Finger des anderen in seinem Fell spürt, hat ein Gefühl von Geborgenheit. Im Zuge der Evolution haben die Primaten diese empathische Spiel aufgegeben und durch Sprache ersetzt: Der Klatsch ersetzte nun das Fellkraulen. Jeder kennt den wohligen Schauer, der entsteht, wenn man die Beziehungsprobleme von Angelina Jolie analysiert oder über abwesende Kollegen herzieht.

Für evolutionsbiologisch und techniksoziologisch gebildete Coaches tut sich eine Marktlücke auf - das Entlausungsteambuilding.


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