Phettbergs Predigtdienst

Das ganze Leben lang nach Gotty gestöbert

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Frau Dr. Rotraud Perner wurde in Mödling zur evangelischen Pfarrin ordiniert. Alles Gute und viel Freude! Sie wurde 1944 in Orth an der Donau geboren, gezeugt von atheistischen Eltern, deren Großeltern das Baby im Geheimen römisch-katholisch taufen ließen, ohne dass die zeugenden Eltern das wussten. Diese waren darob äußerst unerfreut, und fortan war das Mädchen Rotraud Perner immer vom Religionsunterricht "befreit". Als Frau Perner 26 Jahre alt war, heiratete sie einen evangelischgläubigen Mann, und seither ist sie evangelisch. Herr Perner ist schon verstorben, sie waren 40 Jahre lang miteinander verheiratet.

In ihrer Inaugurationspredigt zur Evangeliumsstelle Matthäus 25,2-19 ging Dr. Rotraud Perner auf das Gleichnis der sieben weisen und der sieben törichten Jungfrauen ein. Denn Frau Perner hat ja ihr Leben lang bis jetzt, indem sie Psychotherapie betrieb, viel des nötigen Öls getankt und weiß nun, denn sie hat zuallererst Rechtswissenschaften studiert, wie du Lampen dir besorgen kannst und musst. Sie war lange Zeit Landtagsabgeordnete der SPÖ und dazwischen eine gewisse Zeit lang sehr in den Atheismus eingetaucht. Wenn Nachfahrys unsereinsens einmal einen alleredelsten Lebenslauf von jemandem, der sein ganzes Leben lang nach Gotty gestöbert hat, herzeigen wollen, dann ist Rotraud Angelika Perner die zur Wahl stehende Kandidatin!

Ich bin ja im Katholikentum daheim, hab de facto nur Volksschule gegenüber all den Magnifizenzen, die gestern in der evangelischen Kirche in Mödling beim Festgottesdienst zu Rotraud Perners Amtseinführung ins Ehrenamt als Hochschulpfarrin für Niederösterreich anwesend waren. Jedenfalls Kardinal Königs Sehnsucht, dass alle Religionen einander liebhaben und Ökumene betreiben, war gestern voll erfüllt. Es fiel kein böses Wort gegen eine andere Religion. Vor allem hat mich gefreut, dass der katholische Gegenpart, Ordensabt Mag. Michael Prohaska vom Stift Geras, der die römisch-katholische Seelsorge bei allen Hochschulen und Universitäten in Niederösterreich leitet, anwesend war, und es war auch Frau Dr. Annemarie Fenzl da, sie war bis zu seinem Tod die Sekretärin von Kardinal König, und dessen letzte Worte waren: "Die Ökumene muss weitergehen!"

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