Am Apparat Telefonkolumne

Wird der Klimavertrag die Welt retten, Frau Kromp-Kolb?

Politik | ANRUF: B. NARODOSLAWSKY | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Am Freitag unterschrieben Staatenlenker aus rund 170 Ländern in New York den Weltklimavertrag, der dafür sorgen soll, dass sich die Erderwärmung weltweit auf maximal zwei Grad Celsius beschränkt. Helga Kromp-Kolb, die das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur in Wien leitet, erklärt die Bedeutung dieses Vertrags

Haben Sie den 22. April gefeiert?

Ja, geistig schon. Dieser Tag ist ein wichtiges Datum, auch wenn er in den Medien ohne Echo verhallt ist.

Ist mit dem Vertrag die Welt gerettet?

Nein, er ist eine schöne, aber wichtige Absichtserklärung. Der Weltklimavertrag ist wie ein Eheversprechen. Zwei wollen zusammen glücklich werden, aber die Ehe wird nicht funktionieren, wenn sich nicht jeder wirklich bemüht oder die Schwiegermutter ständig stänkert. Die Staaten müssen sich jetzt bemühen, den Vertrag umzusetzen, und die Zivilgesellschaft muss ebenfalls Druck machen, damit er eingehalten wird. Aber eine gmahte Wiesn ist all das sicher noch nicht.

Was bedeutet das für Österreich, wenn wir das 2-Grad-Ziel erreichen wollen?

Der Welt stehen noch rund 1000 Gigatonnen CO2 zur Verfügung, Österreich steht davon grob gerechnet ein Promille zu. Österreich verbraucht pro Jahr etwa 75 Millionen Tonnen CO2, umgerechnet haben wir also noch 14 Jahre Zeit. Bis dahin müssen alle Kohle-, Öl-und Gasheizungen ausgetauscht werden, das betrifft jeden zweiten Haushalt in Österreich. Jeder Benziner und jeder Diesel müsste ausgetauscht werden. Es gibt unheimlich viel zu verändern.

Das sind tiefe Einschnitte.

Jede Veränderung macht Angst, aber es ist wichtig, diesen Wandel positiv zu sehen. Wir können dadurch auch viel gewinnen - etwa Lebensqualität. Diesen Umstieg muss die Regierung und auch ganz Österreich wollen, wir brauchen eine gemeinsame Anstrengung des Landes. Die Zeit der kleinen Schritte ist vorbei, manchmal ist es leichter, wenn man radikal vorgeht. Man muss sich schließlich bewusst machen, dass es um die Zukunft der Menschheit geht.


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