Die jordanische Lektion

Am Flug zurück nach Wien weiß ich, dass ich ein Land verlasse, das Europa hilft - und von Europa im Stich gelassen wird. Eine Reportage aus dem größten Flüchtlingslager Jordaniens

BERICHT UND FOTOS: PETER PILZ | Politik | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Spätestens vor dem Schaufenster des dritten Brautmodengeschäfts auf den Champs-Élysées stellen wir fest: Hier wird viel geheiratet.

Ich bin in Jordanien, um einen Bericht zur Lage der Flüchtlinge zu verfassen. Wir stehen dort, wo sich mit den Champs-Élysées und der Saudi Road mitten in Zaatari, dem größten jordanischen Flüchtlingslager, die zwei Hauptstraßen kreuzen. 79.500 syrische Flüchtlinge leben in zwölf Bezirken in ihren Containern. Das UNHCR bohrt unter dem Lager nach Wasser und leitet Strom ein. Gerade ist eine neue Schule für den siebten Bezirk eröffnet worden. Zaatari ist noch ein Lager, aber schon eine Stadt. Daher duldet die Regierung die winzigen Geschäfte, mit denen geflüchtete Händler es noch einmal versuchen.

Immer öfter brauchen die Kunden Hochzeitskleider. Marja bietet beide Modelle an: "Barbie" in Weiß und "Syrisch" in Grün. Um 50 Dinar -rund 70 Euro - gibt es das "bridal package" mit Mietkleid, Make-up und Frisur. Wer es sich leisten kann, legt 20

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