Die Galaktischen von Simmering

Was passiert, wenn sich aserbaidschanische Geschäftsleute in einen Wiener Unterhausklub einkaufen? Die Geschichte des FC Karabakh Wien

Stadtleben | EINBLICK: ADRIAN ENGEL | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016


Foto: Georg Hochmuth / APA / picturedesk.com

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Ottakring, ein Leben lang. Seit seiner Geburt vor 70 Jahren lebt Manfred Modli in diesem Bezirk. Hier hat er seinen Sohn erzogen, hier geht er zum Heurigen, hier kennt er die Leute. „Ich habe sogar eine Ottakringerin geheiratet“, sagt er. Nur der Fußballklub seines Herzens, der WS Ottakring, spielt seit Sommer am anderen Ende der Stadt. In Simmering hat er sein neues Zuhause. Und einen neuen Namen, ein neues Logo und neue Klubfarben. Manfred Modli stört das nicht. Er hat ihn selbst verkauft.

„Das ist Blödsinn“, sagt Modli, sobald er das Wort „verkauft“ hört. Er sitzt in der neuen Vereinskantine und steckt sich noch eine an. Manfred Modli raucht Zigaretten, als wäre es seine Pflicht. Schnell, lustlos, hohes Pensum. Seine Stimme ist leise, seine Mimik ausdauernd. Aber „verkauft“ ärgert ihn. Das steht auch im Onlineforum „Wiener Fußball“, das sich die Amateurvereine teilen. Er liest täglich die vielen Gerüchte, die seit der Übernahme seines Klubs im Sommer 2014 durch zwei junge aserbaidschanische Geschäftsleute im Umlauf sind. Von Geld aus dunklen Kanälen und überbezahlten Spielern schreibt die Community. „Stimmt alles nicht“, sagt er.


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