Kabarett Kritik

Mario Lucic: Jugoväter und Balkanomas

Lexikon | SP | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Mario Lucic könnte man einen Ethno-Comedian nennen -oder einfach einen guten Kabarettisten. In seinem ersten abendfüllenden Programm "Der Ghettoneurotiker" spielt er gekonnt mit seinem ex-jugoslawischen Migrationshintergrund. Seine Figur ist ein Arbeitsloser, der, wie Lucic selbst, am Rennbahnweg wohnt, in einem der größten Gemeindebauten Wiens. In seinen Geschichten schont er weder die autochthonen noch die mitgrationshintergründigen Österreicher.

Wer schon immer wissen wollte, "woher die Hip-Hop-Szene ihren Style" hat -nämlich von den "Balkanomas, die seit jeher Kopftücher getragen haben und Goldzähne hatten" - oder wie "Jugoväter" im Auto fluchen, der ist bei Lucic richtig. Ist man dann auch noch des Serbokroatischen mächtig, hat man es besonders lustig, balkanische Schimpftiraden klingen im Original einfach besser als in der gewollt spröden Übersetzung.

Dass der 25-jährige Wiener, der 2014 den "Neulingsnagel" für den besten Nachwuchscomedian gewann, Talent hat, ist mittlerweile klar. Etwas mehr künstlerische Überhöhung und Liebe zum sprachlichen Detail (fünf Mal "Missgeburt" als Schimpfwort zu verwenden ist vier Mal zu viel) würde "Ghettoneurotiker" allerdings gut tun.

Aera, Di, 20.00


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