Übungen im postkolonialen Blick

Das Donaufestival präsentiert und feiert sein Manifest der "Nicht-Norm"

Lexikon | MARIA MOTTER | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Niemand hat euch geladen." Das ist das Erste, was einem beim Besuch der Webpräsenz des Donaufestivals entgegenspringt. Verstören will das Donaufestival schon immer gern ein bisschen, das ist auch immer wieder gelungen. Nehme man Kunst ernst, so wäre diese die Aufhebung des Normativen, die sinnliche wie intellektuelle Erfahrung einer anderen möglichen Welt, erklärt Intendant Tomas Zierhofer-Kin vorab sein Verständnis. "Das künstliche Paradies der humanistischen abendländischen Werte basiert jedoch auf einem monetären wie intellektuellen Reichtum, der nur durch Unterdrückung und Ausbeutung 'der Anderen' entstehen konnte", schreibt er vorab und will das Donaufestival als "Manifest der Nicht-Norm, des anderen, des postkolonialen Blicks auf eine Welt des Grauens" verstanden wissen.

Damit zu den Gästen: God's Entertainment veranstalteten einen Kremser Menschenzoo, diesmal führen sie das Publikum in die Performance "Niemand hat euch eingeladen -Teil II der Neuen Europäischen Tragödie". Der Titel ihrer zweiten Arbeit ist selbsterklärend: "Al Paradiso - Eine Installation, die zum Schweigen bringt". Gelatin, KlitClique und Elikuka tun sich für die "Karaokemachine" zusammen. Radikaler ist da der Ansatz der Kollektive Monster Truck und Theater Thikwa, die "Dschingis Khan" mit drei Darstellern mit Trisomie 21 inszenieren. Es ist eine Art Völkerschau, die uraufgeführt in Deutschland Diskussionen und ein Nachfolgeprojekt hervorrief.

Beim Blick auf das musikalische Line-up fallen Pantha Du Prince, Tim Hecker und DJ Koze (7.5., 21.30 bzw. 20.30 bzw. 22.30, Messegelände, Halle 2) sowie Shackleton (Sa 18.30, Minoritenkirche) sofort auf. Und Mogwai, die mit "Atomic" einen Soundtrack zu einer BBC-Doku über den Beginn von Nuklearenergie geschaffen haben, den sie im Stadtsaal spielen werden (So 20.00). Den thematischen Fokus des Festivals könnte man also nützen, um musikalisch neue Gefilde zu erleben. Als "König des syrischen Technos" feierten Kritiker den in New York lebenden Omar Souleyman (Sa 1.00, Stadtsaal) bereits, Dabke - ein Folkloretanz - und Lo-Fi-Beats sind sein Spezialgebiet. Maurice Louca muss man in Clubs in Kairo und Marrakesch nicht vorstellen. Er gilt als wichtige Person in der alternativen Szene und kombiniert arabische Rhythmen, ägyptische Shaabi-Musik und Beats (Sa 23.30, Messegelände, Halle 2). Den Turbokapitalismus thematisiert die Künstlerin und Musikerin Fatima Al Qadiri (Sa 0.30, Stadtsaal), deutlich wird auch Gaiko (Fr 23.00, Stadtsaal).

Diverse Orte, Krems, Fr-So, Do, donaufestival.at


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