Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 17/16 vom 27.04.2016

Pop

Ritornell: If Nine Was Eight

Der Percussionist Richard Eigner und der Pianist Roman Gerold bewegen sich zwischen Songs und freieren Klanglandschaften. Das könnte man als postmoderne Beliebigkeit missverstehen, doch es geht ihnen darum, sich selbst und den Hörer immer wieder zu überraschen. Mit etwas Hilfe von Gästen gelingt Ritornell das auf ihrem dritten Album sehr gut. "Old People" (mit Mira Lu Kovacs) ist eine eindringliche Jazzballade, "Book of Now"(mit Mimu) schwebt fast schon in Sun Ras Sphären. (Karaoke Kalk) SF

Jazz

Free Idiots: Parapaddam Grzn Pss

Ein einminütiges Punkjazz-Epigramm betitelt sich "Du bist nicht so schön wie du aussiehst": Dem heimischen Trio (as, g, dr) sitzt der Schalk im Nacken. Kaum eines der Stücke überschreitet die Fünfminutengrenze, mitunter hat man das Gefühl, dass die Band gern zum epischen Aufschwang ansetzen würde, sich aber dekonstruktivistische Selbstbeschränkung auferlegt hat. Die spezifische Kombination von Ruppigkeit und zärtlicher Melancholie ist manchmal etwas formelhaft, aber fraglos charmant. Weitermachen! (Alessa) KN

Musik-X

Rufus Wainwright: Take All My Loves

Den 400. Todestag von Shakespeare hat Popbarde Rufus Wainwright zum Anlass genommen, neun von dessen Sonetten zu vertonen. Ganz schlechte Idee! Denn nichts passt weniger zu diesen hochartifiziellen und intellektuell anspruchsvollen Poemen als Wainwrigths schwülstiges Selbstverausgabungspathos. Schwer zu sagen, was geschmackloser ist: der akustisch zugekleisterte Kitsch von Nr. 40, die Classic-Rock-Adaption von Nr. 23 oder Florence Welchs selbstgefällig phlegmatische Interpretation von Nr. 29. Horror! (DG) KN


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