"Mummy-Style? Das ist die Katastrophe an sich"

Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken über unschuldige und überpraktische Müttermode, den spezifischen Stil deutscher Mütter und warum Französinnen es am Ende doch besser machen

Stadtleben | INTERVIEW: BARBARA TÓTH | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Vinken ist Literaturwissenschaftlerin, aber einem breiten Publikum wurde sie durch zwei populärwissenschaftliche Bücher bekannt. In "Die deutsche Mutter. Der lange Schatten eines Mythos" beschreibt sie, wie sich das Mutterbild seit der Reformation gewandelt hat. In "Angezogen. Das Geheimnis der Mode" erklärt sie, welchen Zyklen Moden unterworfen sind und welchen Einfluss die Emanzipation der Frau unter anderem auf Männerkleidung hat. Was liegt also näher, als im Vorfeld des Muttertages mit Barbara Vinken über Mütter und ihre Kleider zu sprechen?

Falter: Frau Professor Vinken, wie hat sich die Mode für Mütter historisch verändert?

Vinken: Im Ancien Régime gab es noch gar keine spezielle Mode für Mütter. Maria Theresia hatte 16 Kinder. Man schnürte dann eben einfach das Korsett nicht so eng und ließ die Kleider lockerer fallen. Auf Renaissancebildern sieht man bei unter der Brust geschnürten Kleidern im Empire-Stil bloß, dass die Falte eben weiter aufgeht und den Bauch fasst.


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