Burger auf der Hochschaubahn

Im Prater machte ein Lokal auf, in dem zumindest das Essen seinen Spaß hat

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Das Las Vegas von Wien, die Plastikwelt am Riesenradplatz, das Gebäude neben dem Wachsfigurenkabinett. Vor dem Eingang steht eine Konstruktion aus Metallrohren, ein Miniaturmodell der technischen Anlage, von deren Funktion man sogleich Zeuge wird, zwei Treppen führen hinauf – Willkommen im Rollercoasterrestaurant: eine Halle, es riecht nach Fritten und Ketchup, Autodrom-Musik, quer durch die obere Hälfte des Raumes verlaufen Metallschienen in gewundenen Bahnen, hinter einem durch Glaswand abgeschirmten Bereich bewegen sich zwei Roboterarme, die kleine, schwarze Plastikschlitten auf die Schienen setzen, auf dass sie dann zu den vorbestimmten Tischen gleiten …

Man stellt sich recht lange an. Nicht, weil so viele Menschen da wären, aber das Erklären des Bestell-Tablet-Computers dauert halt ein bisschen, und das Bezahlen via Bestell-Tablet-Computer auch, und beides gleichzeitig, da hat man dann schon etwas Zeit. In der man das Spektakuläre des Rollercoasterrestaurants – das Sausen der Schlitten zu den Tischen – beobachten kann. Sehr viel besser wird’s dann nämlich nicht mehr. Man wird zu einem Platz an einem der Tische geleitet, wählt am Tablet zwischen Salaten mit oder ohne Ei, Thunfisch, Hühnerstreifen, Tagliatelle mit oder ohne Thunfisch, Hühnerstreifen, diversen Burgern und diversem Paniertem, schickt die Bestellung via Bluetooth ab. Dann wartet man ein bisschen und schon schwebt das Bier einher.

Beim ersten Mal ist es noch gar nicht so leicht, den Schlitten mittels Drehscheibe zum Sitzplatz zu lenken, und noch weniger leicht, das mit Gummibändern fixierte Getränk aus dem Plastiktrumm zu befreien, aber man lernt schnell. Das Bier heißt „One more Beer“, ist namensrechtlich geschützt, von der Brau-Union gebraut und schmeckt nach nichts. Hui, und da kommt auch schon die Kleinportion Fish & Chips, in einem Menage-Reindl. Vier Stück frittierter Polardorsch auf weichen Industrie-Pommes (€ 6,50), nicht gerade ein Highlight, aber zum Glück geht gerade das Licht aus und die beiden Roboterarme geben eine Disco-Show. Die gelangweilten Teenager am Nebentisch blicken kurz von ihren Smartphones auf.

Nächste Bestellung: Chili-Cheeseburger und ein Fläschchen vom Roten, press „Bestellen“. Saust auch bald daher, der „One more Red“-Zweigelt vom Weingut Kracher, weltberühmt, allerdings nicht wegen dieses Weins. Und hui, bald auch das Menage-Reindl mit dem Burger und ein weiteres mit noch mehr faden Fritten. Der Burger schmeckt nach Hot Ketchup, zum Glück gibt’s gerade wieder Disco (€ 13,95).

Auf die Frage, ob das doch eher überschaubare Angebot in Zukunft noch größer, interessanter werde, erfährt man, dass Pizza nun einmal nicht in die Menage-Reindln passe. Rollercoaster wird es schwer haben gegen Langos und Schweizerhaus.

Resümee:

Die erste Filiale eines Hightech-Restaurantkonzepts, in dem das Essen per Gleitschiene zum Gast kommt. Und das ist auch schon das Highlight.

Rollercoasterrestaurant
2., Riesenradpl. 6
Tel. 0660/244 38 23
tägl. 11.30–23 Uhr
www.rollercoasterrestaurant.com


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