Die Kinder des Schweigens

Unehelich und schwarz: Die Leiden der "Besatzungskinder" und ihre Suche nach den Vätern

Feuilleton | RECHERCHE: ANNA GOLDENBERG | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Er könne es sich aussuchen, erläutert Helmut Köglberger: Führten seine Eltern eine längere Beziehung, war es eine zufällige Begegnung oder ist der heute 70-Jährige das Produkt einer Vergewaltigung? Er wird es nie erfahren. Die Mutter schwieg beharrlich über jenen amerikanischen Soldaten, von dem sie kurz nach der Befreiung im Frühjahr 1945 schwanger wurde. Nur ein Detail über seinen Vater sieht man Köglberger an: Der Mann war Afroamerikaner.

Vielleicht habe sich seine Mutter geschämt, meint Köglberger, der bei seiner Großmutter auf einem Bauernhof in Sierning in der Nähe von Steyr aufwuchs. Schließlich war ihr Kind mehrfach stigmatisiert, unehelich, mit dem "Feind" verwandt, die dunkle Hautfarbe. Besonders am Land, wo jeder jeden kennt und alles weiß.

Dabei ist Helmut Köglberger alles andere als ein Einzelfall. In einem kürzlich erschienenen Sammelband schätzen die Historikerinnen Barbara Stelzl-Marx und Silke Satjukow, dass in Österreich zwischen 1946 und 1956 rund 30.000


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