Film Neu im Kino

A Sin-Dee-Rella-Story: "Tangerine"

Lexikon | EVA KLEINSCHWÄRZER | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Diese Low-Budget-Produktion ist in mancherlei Hinsicht bemerkenswert. "Tangerine" von Sean Baker wurde mit Smartphones gedreht - eine solche Herangehensweise macht einen trickreichen Umgang mit dem Material nötig und so erschafft der Film mit warmen Bonbonkolorationen, rasanten Schnitten und dröhnender Musik eine sonderbare und besondere Energie.

Sin-Dee Rella ist eine schwarze Transgender-Prostituierte und eben aus dem Gefängnis entlassen worden. Es ist Weihnachten. Und sie muss zuallererst erfahren, dass Chester, ihr Geliebter und Zuhälter, sie betrogen hat - mit fish: einer Frau. Eine Jagd durch die glühend orangeroten Straßen L.A.s beginnt. Ihre beste Freundin Alexandra, die auch eigene Kämpfe auszutragen hat, stärkt ihr den Rücken.

Der lange Tag unter der kalifornischen Sonne vergeht temporeich und aufgeladen mit wort-und schlagreichen Auseinandersetzungen, die Nacht bringt Abkühlung und bunt flirrende Weihnachtsbeleuchtung. In stilleren Momenten kommen die Menschen unter Neonbeleuchtung zusammen.

"Tangerine" lotet durch seine Technik neue Möglichkeiten unabhängigen Filmemachens aus. Einen solchen Film mit dem Smartphone aufzuzeichnen mag es möglich machen, sich anders durch die Straßen zu bewegen, urbanen Raum anders zu erkunden und sich Menschen anders zu nähern. Sean Bakers Arbeitsweise ist eine inkludierende; einige der Frauen im Film sind keine Schauspielerinnen, sondern tatsächlich Trans-Sexarbeiterinnen, die zwischen Donutladen und Asia-Imbiss ihr Geld auf der Straße verdienen müssen, weil ihnen andere Jobs verwehrt bleiben. Dass dieses Thema wichtig ist, zeigt schon die Tatsache, dass in einigen Programmankündigungen das "Trans" der beiden Schauspielerinnen schlicht verschwiegen wird. Doch diese Sin-Dee Rella ist alles andere als leise.

Ab Fr im Gartenbaukino (OmU)


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