Glosse Politik und Humor

Satire der Woche: Braune Brösel, Piefkes und Ösis


MATTHIAS DUSINI
Falter & Meinung | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Die digitale Grenzverletzung zwischen Deutschland und Österreich ereignete sich am 25. April, dem Tag nach den Wahlen zum Bundespräsidenten. Macher der ZDF-Satiresendung "Heute-Show" gestalteten ein Schnitzel in Form eines Hakenkreuzes und veröffentlichten das Bild auf Facebook. Der Titel lautete: "Was ist verkehrt mit euch, liebe Nachbarn?"

Rund 8000 Leserinnen und Leser sahen sich durch das Bild zu einem Kommentar veranlasst, ein repräsentativer wurde in der "Heute-Show" letzten Freitag vorgelesen: "Mischt euch nicht in unser Land ein! Ihr verblödeten Rosettenschlecker!", schrieb ein Bernhard L.

Der virale Aufstand belehrt all jene eines Besseren, die eine unheilvolle Allianz zwischen deutschen und österreichischen Populisten, besser gesagt Popolisten, heraufziehen sehen.

Die großen Wahlerfolge der Alternative für Deutschland (AfD) und der FPÖ wirkten wie ein Doppelsieg jener ethnokulturellen Identität, die die Kameraden Heinz-Christian Strache und Jörg Meuthen als Antithese zur "versifften Multikultigesellschaft" beschwören.

Die Empörung über die zugegebenermaßen etwas grobschlächtige "Heute-Show"-Satire zeigt, wie brüchig die Allianz zwischen national gesinnten Nachbarn ist. Sobald ein Piefke etwas gegen die Ösis sagt, ist die Vereinigung von 1938 bis 1945 rasch wieder vergessen.

Eine ZDF-Satire über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan führte zu einer Staatsaffäre. Bei den Nazibröseln ist es kein Präsident, sondern ein Student, der eine Anzeige wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes erstattete. Unter einem blauen Staatsoberhaupt könnte sich das noch ändern.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige