Film Neu im Kino

Über den Tango, die Liebe, das Leben

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

María Nieves und Juan Carlos Copes waren das berühmteste Tangopaar Argentiniens, zusammen eroberten sie die Bühnen der Welt. Sie waren ein Liebespaar, ein Ehepaar, Tanzpartner für fünf Jahrzehnte, auch dann, als ihre Beziehung längst zerbrochen war und sie einander hassten. Die Öffentlichkeit merkte davon nichts: Den Tango, den sie gemeinsam revolutionierten, und ihr Privatleben hielten sie vor den Augen des Publikums strikt auseinander.

Für seine Dokumentation "Ein letzter Tango" hat der argentinische Filmemacher German Kral die beiden, heute 81 und 84 Jahre alt, interviewt. Es ist vor allem ein Porträt von María Nieves geworden, die tiefe Einblicke in ihr Leben gewährt, das von großer Tanzleidenschaft, großer Liebe und großem Schmerz geprägt war. Juan Carlos Copes ist zurückhaltender, doch fallen auf beiden Seiten ehrliche, mitunter harte Worte.

Bei Interviews und Archivaufnahmen lässt Kral es jedoch nicht bewenden. Eine Gruppe von Tangotänzern und Choreografen aus Buenos Aires übersetzt die Biografie des Paares in Tanz: eine poetische Idee, die der Eleganz, Erotik und Spannung des Tangos breiten Raum gibt. Zusätzlich fungiert die Gruppe als Fragensteller und Diskussionsrunde und fügt der Dokumentation damit weitere Facetten hinzu. Das Ergebnis ist ein melancholischer, berührender Film über eine komplizierte Beziehung, den Tango und nicht zuletzt das Vergehen der Zeit.

Der Titel leitet sich im Übrigen von einer Szenenfolge ab, die Anfang und Ende der Doku bildet: María und Juan treffen sich noch einmal auf einer Bühne, nehmen noch einmal ihre Tanzhaltung ein. Nicht nur, wenn man weiß, dass es Kral drei Jahre an Überzeugungsarbeit gekostet hat, diese Szenen zu realisieren, strahlen sie eine außergewöhnliche Kraft aus.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige