Am Apparat Telefonkolumne

Feiern wir bald Weihnachten immer am Montag, Herr Achitz?

Politik | INTERVIEW: NINA HORACZEK | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Am Tag der Arbeit überraschte der Österreichische Gewerkschaftsbund mit einer ungewöhnlichen Forderung: Weil die werktätigen Massen auch Freizeit zur Erholung brauchen, sollten Feiertage, die aufs Wochenende fallen, künftig auf Montag verschoben werden. Der Falter fragte bei Bernhard Achitz, leitendem Sekretär für Grundsatzfragen des ÖGB, wieso die Österreicher zusätzliche arbeitsfreie Tage brauchen.

Der ÖGB fordert, dass man Wochenendfeiertage auf Montage verlegen könnte. Wieso denn das?

Die Feiertage bleiben natürlich an ihrem Tag. Wir wollen nur, dass die Arbeitnehmer die Freizeit nachholen können.

Wir müssen also nicht Weihnachten am Montag feiern, wenn der 24. Dezember ein Sonntag ist?

Natürlich nicht. Uns geht es darum, alle Möglichkeiten der Arbeitszeitverkürzung zu diskutieren, weil das dringend notwendig ist. Darunter fällt nicht nur die tägliche und die wöchentliche Arbeitszeit, sondern eben auch solche Feiertagsregelungen.

Ist das nicht etwas ungewöhnlich, den Tag nach dem Feiertag freizugeben?

Großbritannien hat eine solche Regelung, Belgien auch. Wieso nicht Österreich? Man könnte zum Beispiel einen Urlaubstag mehr kriegen, wenn am Sonntag ein Feiertag ist.

Aber ist Österreich nicht ohnehin schon das Land der Feiertagskaiser?

Wenn man nicht nur die Feiertage zählt, sondern sich die Gesamtarbeitszeit inklusive Überstunden ansieht, arbeiten die Österreicher sehr, sehr viel und teilweise auch mehr, als gesund ist. Wer dauernd davon spricht, das Pensionsalter weiter anzuheben, der muss sich damit beschäftigen, wie die Menschen länger gesund bleiben können, um länger arbeiten zu können. Mehr Freizeit ist da ein wesentlicher Punkt.

Hatten wenigstens Sie als ÖGB-Angestellter am 2. Mai frei?

Nein. Der ÖGB ist zwar ein sehr guter Arbeitgeber, aber da macht er keine Alleingänge. Das würden unsere zahlenden Mitglieder vielleicht nicht verstehen.


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