Schwelgerei und Apokalypse: Antony Hegartys Mutation zu Anohni

Feuilleton | MUSIKKRITIK: GERHARD STÖGER | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Es war ein bemerkenswerter Moment, als Conchita Wurst 2015 den Amadeus-Musikpreis als Künstlerin des Jahres überreicht bekam. Heuer wiederholte sich das Spielchen, doch der Beigeschmack war plötzlich schal. Das passende Statement wäre gewesen, diesen schwulen Mann, der gerne Frauenkleider trägt und feminine Elemente in seiner Performance stark betont, nun als "Künstler des Jahres" auszuzeichnen. Die Chance wurde leider verpasst.

Nebenbei gefragt: Ob eine lesbische Musikerin im Anzug, die sich "Schinken Horst" nennt und einen auf harter Knochen macht, wohl als zweifacher Musiker des Jahres infrage käme? Und was Anohni wohl dazu sagen würde? "Ihr und eure ewige Kategorisierung" womöglich, begleitet von vielsagendem Augenrollen.

Anohni hieß bisher Antony Hegarty, mit der Band Antony & The Johnsons veröffentlichte der New Yorker Transgenderkünstler vier Alben lang traurig-schöne Balladenkunst zwischen Songwriterpop, Kammermusik und großem Drama. Seine so fragile wie markante Stimme


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