Nüchtern betrachtet

Mein Kopf steckt voller fragwürdiger Konstrukte


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Wenn ich in der Küche etwas zu tun habe, höre ich gerne Radio -am liebsten Sendungen, in denen nicht gesungen, sondern über Dinge gesprochen wird, von denen ich nichts verstehe. Aber lieber Neuromedizin als Kosmologie. Kosmologie macht mich total depressiv. So schnell kann man gar nicht "Higgs-Boson" sagen, schon kennt man sich nicht mehr aus. Den Kosmologen ist es, glaub ich, wurscht, ob man sie versteht. Kulturwissenschaftler hingegen wollen einem meistens erklären, dass man bislang irgendwas vollkommen falsch verstanden hat, weil es sich bei dem, was man sich so zusammendenkt, lediglich um "ein Konstrukt" handelt. "Konstrukt" bedeutet, dass es zwar nicht ganz wirklich ist, aber gerade deswegen besonders hartnäckig fortbesteht.

Unlängst habe ich eine Sendung über Hexen gehört. Ich dachte immer, das sind im Grenzbereich von Medizin, Psychotherapie und Drogenkriminalität tätige Frauen mit einem Hang zur modischen Selbstvernachlässigung und fragwürdigen Vorstellungen von Körperhygiene.

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