Menschen

Gesellschafts-Tanz 2.0


LUKAS MATZINGER
Falters Zoo | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Was wäre das für eine Welt, in der alles immer so wäre wie an diesem einen Abend auf dem Diversity Ball? Wenn Trachten-mit Anzugträgern tanzten, Drag-mit Drama-Queens flirteten, Models ohne mit Models mit Behinderung lachten. Und entgegen reaktionären Erwartungen würde überhaupt nichts Schlimmes passieren. Kein Werteverfall, keine Sittenlosigkeit, kein caligulanischer Exzess -nichts davon konnte man an diesem Abend beobachten. Gut, Sittenlosigkeit vielleicht ein bisschen. Zum neunten Mal feierte einfach jeder, der wollte, am vergangenen Samstag den Diversity Ball, der sich selbst "der kleine Bruder des Life Balls" nennt. Der zweitschrillste Ball des Jahres sozusagen. Der Diversity Ball versteht sich als "ein Zeichen gegen die soziale Kälte und für eine gelebte Vielfalt in der Gesellschaft", sagte die Organisatorin Monika Haider, die im restlichen Jahr das equalizent-Zentrum für Gehörlosigkeit leitet. Das kann man aktuell gut brauchen. An diesem Abend waren alle Eingänge des alten Kursalons ganz barrierefrei gehalten, das Programm wurde in Gebärdensprache gedolmetscht, ein 3-D-Modell half Sehschwachen und Pickup-Tänzer Schüchternen. Dresscode Bodypainting war okay. Zugegen waren unter vielen anderen bunten Menschen der tolle Theaterschauspieler Florian Teichtmeister, Tanzlehrerin Yvonne Rueff, der Ö3-Super-DJ Alex List, der Alkbottle-"Sänger" Roman Gregory, der Designer La Hong, der aufregende HC Haas und Falters one and only Hermes Phett berg. Die Pro7-Show-Teilnehmer Dance Industry versuchten, Vorurteile wegzutanzen. Es gelang für diesen Abend.

Niki Osl kann wirklich vieles. Sie designt schöne Mode, vorrangig Hüte, Kopfschmuck und so Kränze, sie brilliert in der Society. Sie strahlt immer, ist sehr schön. Und unlängst gelang es ihr im Vorbeigehen, ungefähr die Hälfte aller wichtigen österreichischen Society-Damen zu ihrer Buchpräsentation in den Salonplafond des Mak zu bringen. Oder "prominente Freundinnen", wie sie sagt, und die sie, aber sicher, zur Präsentation mit üppigen Blumenkränzen bestückt hat. Dann fangen wir einmal an: Es kamen die Song-Contest-Teilnehmerin und zurzeit vielleicht meistgefilmte Frau Österreichs, Zoë Straub, die Gabalier-Freundin, aber fairerweise eigentlich Moderatorin Silvia Schneider, die nicht zu vergessende Marika Lichter, das Wiener Fotomodel mit dem Salzburger Bauernnamen Anna Huber und die Castingshow-Überlebende Vera Böhnisch. Aus dem Buch gelesen hat die Ex-Bravo-TV-Moderatorin Enie van de Meiklokjes. Die Schwarte heißt "Die Gräfin in mir" und ist ein "Roman zwischen Traum und Wirklichkeit". Es dreht sich um Jessy, eine Frau Gegend 30, die unglücklich ist mit ihrem Leben und "zehn Kilo zu viel" hat. Sie flüchtet sich bei Bedarf in eine Traumwelt, die um die Jahrhundertwende angesiedelt ist. Also 19. auf 20. Jahrhundert. Auch eine sprechende Katze ist involviert. Sie heißt Whisky. Osl sagt, sie fängt beim Schreiben oft in der Mitte an. Niki Osl kann wirklich vieles. Vielleicht gehört Schreiben auch nicht dazu.


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