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Haben Sie gestern Radio gehört? Eh wurscht.

Medien | ANHÖRUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Es knistert in der Radiobranche. Die Privaten machen gegen den ORF mobil. Sie klagen über einen möglichen Schaden von 20 Millionen Euro. Schuld daran sind falsche Umfragen.

Es geht um den so genannten Radiotest, bei dem das Meinungsforschungsinstitut GfK halbjährlich erhebt, wie viel Menschen ab zehn Jahren in Österreich Radio hören. Rund 13.000 Leute riefen die Meinungsforscher allein im zweiten Halbjahr 2015 an, um herauszufinden, welchen Sender sie am Tag vor dem Anruf mindestens eine Viertelstunde lang gehört hatten. So rechnen sie die Reichweite hoch, an dem sich die Werbepreise orientieren.

Nun wissen wir aber spätestens seit den letzten Wahlen: Mit Umfragen ist das so eine Sache. Sie kann bei einer maximalen Schwankungsbreite von 3,4 Prozent schon einmal elf Prozent danebenliegen.

Und - Überraschung - auch der Radiotest war in den vergangenen fünf Jahren trotz riesiger Stichprobe nicht supergenau. Das zeigen die korrigierten Zahlen der GfK. So erreichte etwa die Antenne Vorarlberg 30 Prozent der Hörer im Ländle, nicht 21, wie ursprünglich errechnet. Dafür schnitt das Radio Vorarlberg um acht Prozentpunkte besser ab. In der Regel wurden die Sender des ORF besser bewertet - zulasten der Privaten.

Ernst Swoboda, der neue Vorsitzende des Verbands der Privatsender, fordert nun Schadensersatz -in erster Linie von der GfK. Die Gfk droht ihm wiederum aufgrund seiner "unseriösen" Schadensschätzung mit Klage. Gfk-Geschäftsführer Alexander Zeh trat nach dem Auffl iegen der Radiotest-Manipulation bereits zurück. Warum die Meinungsforscher jahrelang falsche Zahlen lieferten, wurde bislang noch nicht erhoben.


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