Stadtrand Urbanismus

Ein rotes Mailüftchen fegt durch Wien


Birgit Wittstock
Stadtleben | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Tag der Arbeit. Während sich vergangenen Sonntag Tausendschaften auf dem Rathausplatz versammelt hatten, wahlweise um die Sozialdemokratie zu feiern oder den Bundeskanzler auszubuhen, blieb vom roten Maisturm, der sich dort erhob, andernorts nicht einmal ein Lüftchen übrig: Die Copa Cagrana, einst als Klein-Jesolo Wiens bekannt, der Strand, an dem sich die Hackler an Feiertagen an Gspritztem und Spareribs gütlich taten, ist leergefegt. Von dem Wirrwarr an windschiefen Buden, aus deren Boxen Radiohits dröhnten, ist nichts mehr übrig. Die einzigen beiden verbliebenen Lokale, seit vergangenem Jahr im sleeken Beton-Holz-Kubus an die dahinterliegende Donau-City angepasst: menschenleer. Die Arbeiter feiern hier nicht mehr.

Die Copa war als gewachsenes Sammelsurium schlechten Geschmacks wohl noch eines der letzten Refugien, das dem durchgestylten Mainstream Widerstand bot. Dass der neue Chic aber nicht mitverpachtet werden kann, zeigt das Innenleben des Kubus: nackte Gipsskulpturen, die alten Copa-Fans Tränen der Rührung in die Augen treiben würden.


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