Bis zum letzten Zentimeter

Nach einem Nachbarschaftsstreit um einen Heckenzaun soll im Innviertel ein Haus abgerissen werden. Was wie eine Provinzposse klingt, könnte in ganz Österreich Gebäude zum Einsturz bringen

PROTOKOLL: STEFAN SCHLÖGL | Landleben | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016


Foto: Christopher Mavric

Foto: Christopher Mavric

Über dem Sitzungstisch hängt brüllendes Schweigen. Seit über zwei Stunden hocken die 18 Gemeinderäte von Mining, einem Dorf im oberösterreichischen Innviertel, aufgefädelt an dem Oval aus Eichenholz beisammen. Es ist kurz nach 22 Uhr an diesem Abend Ende April, die Luft ist stickig, alle sind verstummt. An einem Ende sitzt Bürgermeister Günter Hasiweder, ÖVP, und starrt mit verschränkten Armen an die Decke. Bis dahin hat der Ortschef seinen Gemeinderat routiniert durch die Sitzung geführt. Sechs Punkte des Protokolls wurden abgearbeitet, ein neuer Gehsteig hier, die Entfernung einer Esche dort, die üblichen Belange eines 1600-Seelen-Ortes. Hasiweder regiert absolut. 13 Schwarze, zwei FPÖler, drei Sozialdemokraten. Die Mandatare haben bislang brav die Hand gehoben und die Entscheidungen gemeinsam weggestimmt. In Mining gibt es kein Parteigeplänkel.

Nun aber steht die Entscheidung zu Punkt sieben an: ein Todesurteil. Das zumindest signalisieren die aschfahlen, von Hader zerfurchten Gesichter der Versammelten. Schließlich geht es um einen der ihren: Anton Kreilinger, 75, geboren in Mining – genauer: um sein Haus, Mühlheimerstraße 1b, Parzelle 272/2.

Abo hier bestellen Abo hier bestellen
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl und erhalten Sie sofort einen Digitalzugang, um Artikel kostenfrei zu lesen.
Wenn Sie kein FALTER-Abo haben, können Sie diesen Artikel hier einzeln kaufen, als neuer Nutzer kostenfrei mit Startguthaben.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige