Ein Don Quichotte des Films: Der Regisseur Georg Wilhelm Pabst

Feuilleton | EMPFEHLUNG: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Unter den großen Filmemachern des frühen 20. Jahrhunderts ist er immer noch der größte Unbekannte. Georg Wilhelm Pabst, 1885 in Raudnitz in Böhmen geboren, 1967 in Wien gestorben, dazwischen als Regisseur tätig in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Italien und Österreich.

Seine frühen Arbeiten wie "Geheimnisse einer Seele" (1926) oszillierten zwischen Neuer Sachlichkeit und Psychoanalyse, in der Weimarer Republik trugen ihm das pazifistische Bergarbeiterdrama "Kameradschaft" und die Verfilmung der "Dreigroschenoper" von Brecht und Weill den Spitznamen "der rote Pabst" ein. 1933 ging er mit seiner Entourage - der unter anderen der Kameramann Eugen Schüfftan, der Cutter Hans Oser und der spätere Sowjetregisseur Herbert Rappaport angehörten -ins Exil und wurde von dem gleichfalls emigrierten Kritiker Hans Sahl zum "Don Quichotte des Films" erklärt.

Umso absurder mutet es an, dass Pabst später noch einmal nach Österreich zurückkehrte, vom Ausbruch des Kriegs "überrascht" wurde und in der Folge auch zwei Produktionen unter dem NS-Regime verantwortete ,ehe er seine Karriere nach 1945 -wie so viele Opportunisten und sogar Täter - scheinbar bruchlos fortsetzen konnte.

Mit seinen französischen Filmen aus den 1930ern stellt die aktuelle Retrospektive im Metro Kinokulturhaus die am wenigsten bekannte Periode aus G.W. Pabsts reichem Schaffen komplett vor. Sie reicht von der Hinterhofkomödie "Du haut en bas" über den frühen Film noir "Mademoiselle Docteur" bis zum Spionagereißer "Le Drame de Shanghai" nach einem Skript von Leo Lania.

Nicht ganz so erfreulich ist die Art und Weise, wie manche der Arbeiten präsentiert werden. Der letztgenannte Film beispielsweise -in Wien vermutlich seit 1986 nicht mehr gelaufen - steht lediglich einmal auf dem Programm: in einer digitalen Kopie ohne Untertitel, und das am Freitag, 6. Mai, einem Fenstertag.

Bisschen schade, eine filmhistorische Rarität und mit ihr die eigene Arbeit so zu verkaufen.


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