"Ich bin ein glühender EU-Anhänger"

Der britische Stand-up-Comedian Eddie Izzard wirbt in deutscher Sprache für die EU

Lexikon | INTERVIEW: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016


Foto: Amanda Searle

Foto: Amanda Searle

Das vierte Jahr tourt der britische Stand-up-Superstar Eddie Izzard mit seinem Programm „Force Majeure“ schon um den Globus. Nun hat er sich spontan dazu entschlossen, damit auch wieder im Gartenbaukino Station zu machen, bloß dass er diesmal Deutsch sprechen wird.

Eddie Izzard: Klaus, guten Morgen!

Falter: Guten Morgen, Mister Izzard. In welcher Sprache sollen wir reden?

Izzard: I’m afraid auf Englisch, denn mein Deutsch ist nicht so stark in diesem Moment. When I played Berlin a year ago, my German was mehr hoch. But this is why I play Vienna auf Deutsch.

Haben Sie einen persönlichen
Bezug zu Wien?

Izzard: Ja, meine Eltern haben im Mai 1958 ihre Hochzeitsreise nach Wien unternommen. Sie haben es geliebt.

Was war der Anlass für Ihren ersten Wien-Aufenthalt?

Izzard: Das war um die Jahrtausendwende, da habe ich mit Stefan Ruzowitzky „Die Männer Ihrer Majestät“ gedreht. Der Film ist nicht sehr gut gegangen, aber ich habe einige Wochen in Wien gewohnt. Und danach bin ich im Gartenkino …?

Im Gartenbaukino. Sie haben damals, 2013, schon angekündigt, Sie würden das Programm auf Deutsch spielen, aber wir hielten es für einen Witz.

Izzard: Ach wirklich? Nein, ich mache keine Witze. Diesen Freitag werde ich in Manchester auf Deutsch spielen, am Montag in Wien, am Dienstag in Belfast und am Mittwoch in Cardiff.

Alles auf Deutsch?

Izzard: In Großbritannien sind es drei Sprachen: Englisch, Französisch und Deutsch. Ich nenne sie meine „3-3-3-Shows“: drei Auftritte in drei Stunden in drei Sprachen. Es ist mein Beitrag für den Verbleib in der EU.

Wie wird das Referendum Ihrer Meinung nach ausgehen?

Izzard: Momentan sieht es gut für uns aus. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die 18- bis 35-Jährigen anzusprechen. Gehen die zur Abstimmung, bleiben wir in der EU. Ich verstehe mein Programm auch als Gedenken an den D-Day, an dem bekanntlich deutsche Truppen gegen solche gekämpft haben, die Englisch und Französisch sprachen. Nun, das ist Geschichte. In Frankreich habe ich in 15 Städten 5200 Karten verkauft. Es ist also möglich, Europa zu motivieren!

Sie sind selber offensichtlich unglaublich motiviert?

Izzard: Ich bin ein glühender Europäer und Anhänger der EU. Heißt das, dass ich alles gut finde, was dort passiert? Nein. Die Bürokratie muss ganz sicher abgebaut werden. Aber um das zu erreichen, müssen die Briten in der EU verbleiben. Von Alexander dem Großen bis zum Zweiten Weltkrieg sind in Europa einige sehr schöne Dinge entstanden. Aber alle 50 Jahre beginnen wir damit, einander umzubringen. Die Idee der EU besteht darin, genau das zu verhindern. Wenn wir das nicht einmal in Europa schaffen, wie sollen dann weltweit sieben Milliarden Menschen eine Chance auf Demokratie und Gerechtigkeit bekommen?

Haben Sie ein deutsches Textbuch?

Izzard: Ja. Mein Bruder, der als mein Sprachtrainer fungiert, hat mein Englisch in nicht allzu anspruchsvolles, aber brauchbares Deutsch übersetzt. Das muss ich auch auswendig lernen, denn momentan bin zu freier Konversation nicht in der Lage.

Dylan Moran meint, Deutsch klinge so, als würde man eine Stanniolpapier fressende Schreibmaschine die Treppe runtertreten.

Izzard: Mein Kollege hat eine sehr poetische Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Ich weiß auch nicht, warum, aber ich spreche wahnsinnig gerne deutsch. Ich finde auch nicht, dass es schroff klingt. Wenn Faschisten herumkrakeelen, klingt es natürlich unwirsch. Da ist es dann aber auch egal, ob die auf Deutsch, Englisch, Französisch oder Arabisch rumbrüllen.

Unterscheidet sich das Publikum eigentlich von Land zu Land?

Izzard: Nein, das Publikum ist im Grunde überall gleich, man muss es nur erst einmal finden. So wie es auch in jeder Stadt Menschen gibt, die auf Indie-Musik und Arthouse-Filme stehen.

Gibt es Witze, die auf Deutsch nicht funktionieren?

Izzard: Ja, einen. Da spreche ich über mens sana in corpore sano und darüber, dass der Körper im Alter so ist (auf Deutsch:) wie zwei Wiesel mit Soße begossen, die auf die Rückseite eines Traktors genagelt sind. Das ist ein unglaublich alberner Satz, über den in Berlin nur gelacht wurde, solange ich ihn nicht richtig hingekriegt habe. Wahrscheinlich hat der auf Deutsch einfach den falschen Rhythmus.

Gartenbaukino, Mo 20.00


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