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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Die Kirche und die Tiere

"Es ist eine Art theologischer Schwachsinn zu glauben, dass Gott die gesamte Welt nur für die Menschen gemacht habe." Mit diesem Zitat des früheren Erzbischofs Desmond Tutu macht der Grazer Theologe und Ethik-Professor Kurt Remele seinen Standpunkt klar -und schreibt eine neue christliche Tierethik. Kernsatz: "Das Töten von Tieren ist Menschen nur unter strengen Auflagen als letzter Ausweg (ultima ratio) gestattet." Zumindest in unserer Gesellschaft gelte für Christen der "vegantarische Imperativ": Lebe vegan/vegetarisch, soweit es geht. Remele gesteht aber zu, dass das nicht überall auf der Welt möglich ist. Hoffnung schöpft der Autor durch Papst Franziskus: "Noch kein Papst hat so deutlich sowohl den Eigenwert jedes einzelnen Geschöpfes als auch die Verbundenheit aller Geschöpfe miteinander betont."

GERLINDE PÖLSLER

Kurt Remele: Die Würde des Tieres ist unantastbar. Eine neue christliche Tierethik. Butzon & Bercker, 231 S., € 20,60

Narzissmus, Amok, Erosion

Es ist kein optimistisches Buch, das Götz Eisenberg da geschrieben hat. Der Autor arbeitet sich an einer "Sozialpsychologie des Kapitalismus auf seiner gegenwärtigen Entwicklungsstufe" ab, "die dadurch charakterisiert ist, dass das Kapital ( ) alle Beißhemmungen und Rücksichtnahmen ablegt". Das führe zu "Verhaltenszumutungen" und begünstige Narzissmus, Alzheimer und Amokläufe. Die Demokratie erodiere dabei. Der Soziologe, Politologe und Gefängnispsychologe mäandert ausgehend von Alltagsbeobachtungen und Medienberichten höchst subjektiv durch Sozialgeschichte, Soziologie und Philosophie. Manches hat man schon gehört, manches stellt er in überraschenden Zusammenhang. In Summe unterhaltsam. GP

Götz Eisenberg: Zwischen Amok und Alzheimer. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus. Brandes & Apsel, 292 S., € 25,60


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