TV-Kolumne

Zeit am Schirm

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Am 17. Mai wird der deutsche Popmusiker Udo Lindenberg 70, und die ARD strahlte eine aufwendig produzierte Hommage aus. Man lernt einen Vertreter der Nachkriegsjugend kennen, der im bedrückenden Schweigen über die NS-Zeit aufwuchs. Der Jazz war für den autodidaktischen Schlagzeuger die Möglichkeit zum Ausstieg aus dem kleinbürgerlichen Alltag. Als erster Beatmusiker der Bundesrepublik setzte Lindenberg Deutsch als Ausdrucksmittel ein, nicht schlagerhaft gesäubert, sondern alltäglich vernuschelt. Die Dokumentation "Udo Lindenberg. Stärker als die Zeit" wahrt genügend Distanz, um aus einer nationalen Ikone den exemplarischen Vertreter einer toleranten, pazifistischen und hedonistische Bundesrepublik zu machen.

Eine altertümliche Form der Rock-'n'-Roll-Coolness hat sich in der Kunstfigur Udo konserviert, vom Alkoholismus gezeichnet, aber irgendwie noch bühnentauglich. Musikhistorisch lieferte die Doku eine brisante Information: Lindenberg spielte in Klaus Doldingers "Tatort"-Titelmelodie das Schlagzeug.


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