Watchdog

Die autowerbende Unabhängigkeit

BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 18/16 vom 04.05.2016

Journalist Michael Fleischhacker ist ein Meister der mutigen Analyse. Er bürstet gegen den Strich, wo auch immer dieser gerade verlaufen mag. Das macht ihn - vor allem in seinen Augen - zu einem exzellenten Testimonial.

2008 ließ sich der damalige Presse-Chefredakteur mit dem Spruch "Wer sagt eigentlich, dass Schreiben ungefährlich ist?" plakatieren. Über Fleischhackers linkem Auge klebte ein Pflaster. Ein Sinnbild der Pressefreiheit.

2010 rief Fleischhacker die Sonntagsausgabe der Presse ins Leben. Testimonial war: Fleischhacker. Slogan: "Rettet den Sonntag!" Danach verfasste er ein Buch. Es war ein Nachruf auf das Medium Zeitung.

2014 wurde Fleischhacker Chefredakteur der Nachrichtenseite nzz. at. Die Abo-Werbung zierte ein Gesicht: das von Michael Fleischhacker. Slogan: "Hiermit bekennen Sie sich zur Unabhängigkeit".

Jetzt warb die personifizierte journalistische Unabhängigkeit für BMW. Fleischhacker cruist durch Wien und erklärt, warum er den Wagen sehr super findet. Gefilmt wurde auch in der nzz.at-Redaktion.

Die ebenfalls auf Unabhängigkeit bedachte NZZ-Zentrale in Zürich war not amused. Fleischhacker ließ das Werbevideo entfernen. Der Meister der mutigen Analyse spricht wortwörtlich von einem "Fehler".


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