Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Whitney Houston im Militärtechno-Kleid

Lexikon | Katharina Seidler | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Das beste DJ-Set seit langem haben wir am Freitag in der Kremser Minoritenkirche erlebt. Der südafrikanische Musikspezialist Angel-Ho, Mitbetreiber des tollen Labels NON Records für Musik aus Afrika und der afrikanischen Diaspora, hat in vielerlei Hinsicht Konventionen gebrochen und neu geordnet. Sein Set bestritt er am Boden im Liegen. Wenn er dazwischen die Bühne wie einen kleinen Laufsteg abschritt und zu singen begann, kamen seine hochhackigen Stiefel und sein roter Ganzkörperrüschenanzug besonders gut zur Geltung. Musikalisch führte sein Set von militantem Industrial Techno hin zu entweder zerhäckselten oder aber vollständig und unironisch im Original gespielten Songs von Whitney Houston oder Janet Jackson. Angel-Ho findet das Sakrale im Mainstream-Pop, die Kirche machte er abwechselnd zum Ballroom und zur Bühne für eine Militärparade. Auch das kann eine politische Message sein: Musiken zusammenbringen, Zusammenkommen durch Musik.

VORSCHAU

DONNERSTAG (12.5.): Ash My Love und Bulbul läuten den Sommer im MQ ein, nachher ist Party mit Joyce Muniz und Anna Leiser im Café Leopold. Musik aus umgebauten Metalldosen und ausgeklügelte Synthesizerkompositionen hört man im Kramladen von Canned Fit und Patrik Lechner, das sehr schwierige Popquiz 3000 feiert im Transporter sechsten Geburtstag, während Black Lotus Experiment und Toju Kae in der Tonstube flexiblen Post-Step und verträumten Bass-Pop spielen.

FREITAG: Autarkic aus Tel Aviv verzaubert die Bretterbodendisko im Fluc durch exotische Discoklänge mit Dubund Wave-Anleihen, der Club Mandingo im Elektro Gönner feiert afrikanische Beats von Sahara-Folk über Mali-Pop bis Kwaito, und der serbische Klangforscher Dusan Jankovic gräbt beim Club Erdbahnkreuzer im Titanic nach obskuren Schätzen zwischen Electronica, Exotica, Dub, Disco und Free Jazz. Im Celeste gibt es eine Performance von Cornelius Berkowitz ("Music for Sculptures") und danach DJ-Sets zum Thema Liebe. Härter geht es etwa bei der Berliner Techhouserin Yetti Meißner in der Grellen Forelle oder dem Londonder Drum-'n'-Basser Heist in der Auslage zur Sache. Im Venster99 ist inzwischen Roots-&-Dub-Soundsystem-Nacht.

SAMSTAG: In der Grellen Forelle stößt der feine Club Pomeranze auf seinen dritten Geburtstag an, dabei hört man etwa Super-Techno und -Electro von den Franzosen Voiski und Hajj oder elektronischen "7rans 7ekno"-Freestyle von DJ Hvad.

seidler@falter.at


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