Tiere

Schlafwandler

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016


Zuletzt hatte es schon die Dimensionen eines Shakespeare’schen Königsdramas angenommen: Jetzt ist Werner Faymann als Kanzler zurückgetreten. Er verdient es aber, nicht als Richard III., sondern in der Rolle des Hamlet in Erinnerung zu bleiben, der in seinem berühmten Monolog offenbart, sich sowohl vor entschlossenem Handeln zu scheuen, als auch vor dem Tod Angst zu haben: „Sterben, schlafen! Vielleicht auch träumen! Ja, da liegt’s: Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, wenn wir die irdische Verstrickung lösten …“

Mit diesem Wunsch trifft der Alt-Regierungschef die Mehrheitsbefindlichkeit, denn jeder dritte Österreicher schläft schlecht. Das behauptet zumindest die Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung. Eine andere aktuelle Schlafstudie hat erhoben, dass Japaner und Singapurer am wenigsten schlafen, nämlich durchschnittlich nur sieben Stunden und 24 Minuten. Deutschland liegt mit etwa sieben Stunden und 45 Minuten Schlaf pro Nacht unterhalb des Durchschnitts von 20 untersuchten Ländern. Österreich hat aus unbekannten Gründen an der Studie nicht teilgenommen.

Durch Messungen mit dem Elektroenzephalografen konnte man bei allen Tierarten feststellen, dass sie ebenso schlafen. Und vermutlich sogar träumen. Selbst Ameisen. Der bekannte Insektenforscher Edward Wilson meinte über diese Tiere: „Es scheint, dass Sozialismus unter ganz bestimmten Umständen doch funktioniert. Karl Marx hatte es nur mit der falschen Art zu tun.“ Aber anstatt wie der sowjetische Bergmann Alexej Stachanow die gültige Arbeitsnorm um 1457 Prozent überzuerfüllen, schlafen die Arbeiterinnen am Tag bis zu acht Stunden.

Diesen Zustand erkennt man – abgesehen von der Bewegungslosigkeit – bei allen Insekten auf die gleiche Weise: Während bei uns Menschen typischerweise die Nackenmuskeln erschlaffen und der Kopf daher nach unten sinkt, knicken bei unseren sechsbeinigen Freunden die Fühler ein. Und selbst ein Äquivalent von REM-Phasen zeigen sie. Mangels beweglicher Pupillen zeigen sich diese Traumzeiten daran, dass die Antennen in regelmäßigen Abständen zu vibrieren beginnen.

Nur was sie in ihren Träume beschäftigt, bleibt uns verborgen: Ist es der Sturz der Königin? Die 5-Tage-Woche bei freiem Futterausgleich? Die Invasion von Wanderameisen? Wacht auf, Ameisen dieser Erde!


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