DAS ENDE DES ALTERNS

Altersforscher glauben, wir können weit jenseits der 120 Jahre alt werden. Aber ist ein so langes Leben wirklich eine gute Idee?

TEXT: MARTIN SCHAUHUBER, TOBIAS SCHMITZBERGER, MICHAEL SCHWINGHAMMER | Stadtleben | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016


Illustration: Georg Feierfeil

Illustration: Georg Feierfeil

Wir werden in Zukunft 1000 Jahre alt. Zumindest, wenn es nach Aubrey de Grey geht. Mit seinem langen, dichten Bart hat er etwas von Gandalf, dem Zauberer aus „Herr der Ringe“. Doch de Grey zaubert nicht, er ist Wissenschaftler. Der 52-jährige Brite ist Biogerontologe, er erforscht das biologische Altern. Er möchte es besiegen. „Was mich morgens aus dem Bett holt, ist die humanitäre Verpflichtung. Die Tatsache, dass jeder Tag, an dem ich dem Sieg über das Altern näher komme, 100.000 Menschen das Leben rettet“, sagt er. Täglich sterben durch den Alterungsprozess und die damit verbundenen Krankheiten Menschen. Altern wir nicht mehr, leben wir länger. Für de Grey ist 1000-jähriges Leben keine Fantasie, sondern möglich.

Die Grenze zwischen Science und Fiction ist fließend. Viele Alternsforscher glauben, mit rund 120 Jahren ist für den Menschen spätestens Schluss. Eines haben diese Wissenschaftler mit de Grey gemein: Auch sie wollen das Altern ausbremsen. Die Menschen sollen länger leben und dabei möglichst lange gesund bleiben, im Herbst ihres Lebens noch zu Spitzenleistungen fähig sein. Noch ist das Gesicht der ewigen Jugend verhüllt und wir verstehen nicht völlig, wie das Altern funktioniert. Aber langsam lüftet sich der Schleier. Und wirft Fragen auf: Wie lange wollen wir überhaupt leben? Wie lange tut es uns gut, zu leben?

Für manche Wissenschaftler ist Altern etwas Natürliches, für de Grey die Wurzel allen Übels. „Niemals alt!“ heißt sein 2007 erschienenes Buch, in dem er seinen Lösungsansatz niederschrieb. De Greys Theorie: Es gibt sieben Ursachen, die für das Altern verantwortlich sein sollen. Verschiedene Stoffwechselprozesse verursachen Schäden in unserem Körper. Langsam, aber stetig: die Sanduhr des Alterns. Als junger Mensch merkt man nichts von den ersten Sandkörnern, die nach unten rutschen, unser Körper kann seine Funktionen normal aufrechterhalten. Erst im Alter häufen sich die Schäden immer weiter an. Bis sie zum Problem werden.

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