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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Die Wiener Symphoniker spielten auf, als am 8. Mai auf dem Heldenplatz das Fest der Freude über die Bühne ging. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Lange gedachte man der Kriegstoten, als wäre es ein Trauertag. Seit einigen Jahren wird gefeiert, dass das NS-Regime gestürzt und Europa frei wurde.

Der Philologe Victor Klemperer untersuchte das Nachwirken des Nazismus, etwa in Familienanzeigen, wo es heißt: "In stolzer Freude". Die für Freizeit zuständige NS-Organisation nannte sich "Kraft durch Freude". Es war ein Kennzeichen der braunen Propaganda, Euphemismen für die schlimmsten Verbrechen zu verwenden, etwa "die Endlösung der Judenfrage" für den Holocaust.

Es gehört zur Aufarbeitung der Vergangenheit, dass sich die Nachwelt Begriffe zurückerobert, die von der Geschichte kontaminiert sind. Das holprig "Haus der Geschichte Österreich" titulierte historische Museum etwa könnte in "Haus der Freuden" umbenannt werden. Kraft durch Freude über den Untergang der braunen Teufel.


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