Kommentar Pop und Politik

Künstler für Van der Bellen: Warum klingt das bloß so seltsam?

GERHARD STÖGER | Falter & Meinung | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

In einem Interview mit dem Rolling Stone meinte Tote-Hosen-Sänger-Campino vergangenen Herbst, dass viele seiner Kollegen in Deutschland Angst davor hätten, durch öffentliche politische Meinungsäußerungen angegriffen zu werden und die Coolness zu verlieren.

Anlass für das Gespräch war die Abschlusskundgebung der großen Demo für eine menschliche Flüchtlingspolitik auf dem Wiener Heldenplatz, bei der Campino mit seiner Band auftrat, unter anderem neben den österreichischen Acts Bilderbuch, Soap&Skin und Conchita. Auch Wanda hatten keine Angst, sich zu deklarieren, sie spielten bald darauf bei einer ähnlichen Veranstaltung in München neben dem bekannt haltungsstarken deutschen Pop-Oldie Herbert Grönemeyer.

Ein halbes Jahr später bietet die Bundespräsidenten-Stichwahl wieder die Möglichkeit, sich öffentlich zu deklarieren. Wer soll in die Hofburg einziehen? Der Musiker Hubert von Goisern spricht es offen aus. Er steht an der Spitze eines Unterstützungskonzerts für Alexander Van der Bellen, das am 16. Mai im Wiener Konzerthaus stattfindet. Ganz groß prangt sein Name auf dem Flyer, im kleiner und klein Gedruckten finden sich unter anderen André Heller, Kurt Ostbahn, Marianne Mendt und ein Mitglied von STS.

Eh sei diese Mischung nicht optimal, aber die offenbar unpolitischen Jungen würden sich eben um ihre Verantwortung drücken, hört man es aus Goiserns Umfeld grummeln. Tatsächlich haben "die Jungen" ganz recht, diesen gewiss gut gemeinten Abend zu meiden. Weniger, weil die versammelten Altaustropopper eher den dezenten Hauch der 1970er-und 80er-Jahre als frischen Wind verbreiten, sondern vielmehr, weil dieses gepflegte Beisammensein unter Seinesgleichen in der innerstädtischen Hochkulturlocation ein denkbar seltsames Signal ist.

Ein offenes Singen gegen die Angst und den Hass mit Seiler &Speer in Favoriten, das wäre etwas! Ein Rappen gegen die Deppen in Transdanubien, die "Amore"-Parade im Bierzelt oder ein "Konzert für Hofer", bei dem alte und junge Austro-Popper abendfüllend nur den einen alten Ambros-Song singen: "G'söchta, mit dein Heislschmäh bist bei mir im Oasch daham!"

Und Hubert von Goisern? Der hätte nach dem ersten Wahlgang auch einfach seine Quetschen schnappen und zu einer langen Tour durch österreichische Wirtshäuser aufbrechen können. Den Menschen was vorspielen. Und mit ihnen ins Gespräch kommen. Nur ist das halt ungleich mühsamer und unattraktiver als so ein Abend im Konzerthaus.


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