Fragen Sie Frau Andrea

Strategien des Paninibildersammelwahns

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Liebe Frau Andrea,

jetzt ist der Panini-Pickerlwahn voll ausgebrochen bei uns. Nach Jahrzehnten des Sammelns, Einpickens und Tauschens bin ich noch immer nicht dahintergekommen, was die beste Strategie ist, um ein Album vollzubekommen. Gelungen ist es mir noch nie. Ich habe schon alles versucht. Verzweifelt, Hubert Pöltl, Leopoldstadt, per Wolkenkabelbrief

Lieber Hubert,

das erste Panini-Sammelalbum wurde 1961 herausgegeben und hatte die Kicker der italienischen Lega Serie A zum Thema. In die heimischen Kinderzimmer und auf die Küchentische der Nation kamen die Panini-Alben erstmals mit der Fußball-WM 1970 in Mexiko. Der Irrsinn des Panini-Pickerl-Sammelns hat hier seinen Ursprung. Er ist vererbbar und ansteckend. Wie aber kommt man unter ökonomischer und ludischer Optimierung zu einem kompletten Panini-Album? Es gibt zahlreiche mathematische Berechnungen, die wir hier aus Platzgründen nicht vorstellen können. Zusammengefasst hier nun eine vernünftige Strategie: 1.) Man sammle nicht allein, sondern im Freundesoder Geschwisterkreis. 2.) Man kaufe anfangs pro Album einen ganzen Karton Pickerln, originalverschweißt. 3.) Man klebe das Album so voll, wie es geht, reiche doppelte gleich an Schwester, Bruder, Freundin, Freund weiter. 4.) Nun kaufe man einzelne Säckchen (zu je fünf Bildern), allerdings nur bis zur Gesamtanzahl der möglichen einklebbaren Bilder (bei der aktuellen EM sind das 680). 5.) Mit den Doubletten besuche man Panini-Tauschbörsen, tausche mit Freunden, in Online-Foren und auf Facebook - bis das Album komplett ist. Turbo-Variante (5b.): Man stoppe den Nachkauf/Tausch bei 50 fehlenden und bestelle die gesuchten Bilder direkt bei Panini. Das Personen-Limit von 50 Bildern pro Person umgehe man mit zeitlich abgesetzten Mehrfachbestellungen (unter anderen Vornamen). Kleiner Nachteil: Die Panini-Mitarbeiter arbeiten unsauber und irren sich beim Einsackeln der Bestellpickerln. Die allerletzten Fehlenden muss man also doch wieder durch Tausch gewinnen. Mein Panini-Album ist übrigens schon voll. Ich habe etwa eineinhalbmal so viele Bilder gebraucht, als ins Album passen. Materialverbrauch: ein ganzer Pickerlkarton und 108 einzelne Säckchen. Ich bin jetzt raus.

www.comandantina.com; dusl@falter.at, Twitter: @Comandantina


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