"Wir können uns NICHT noch einmal herausreden"

Der Politologe Wolfgang Kraushaar über den Zerfall der Parteien, Rechtspopulismus und Terrorismus, die Naivität im Umgang mit dem Islam - und warum es so viele reaktionäre 68er gibt

Feuilleton | INTERVIEW: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Europa driftet nach rechts. Ungarn, die Slowakei und Polen werden von Rechtspopulisten regiert. In Deutschland war die Alternative für Deutschland (AfD) bei den Landtagswahlen im März erfolgreich, Österreich könnte demnächst einen blauen Bundespräsidenten bekommen. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar veröffentlichte unlängst im Onlinemagazin Perlentaucher eine Analyse des Rechtspopulismus.

Im Interview erklärt Kraushaar, der Chronist der 68er-Bewegung, warum die Rechten so erfolgreich sind, was der Islam mit Islamismus zu tun hat und warum sich so viele ehemalige Genossen im anderen Lager wiederfinden.

Falter: Herr Kraushaar, Sie sind das, was man einen 68er nennt. Nicht wenige Ihrer früheren Freunde, etwa der Tumult-Herausgeber Frank Böckelmann, tauchen heute bei den Rechten auf. Was ist passiert?

Wolfgang Kraushaar: Das stimmt. Ich kenne Frank Böckelmann seit über 40 Jahren. Das ist ein sehr belesener und kluger Mann, aber das hindert ihn offenbar nicht daran, problematische,


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