TV-Kolumne

Zeit am Schirm


MATTHIAS DUSINI
Medien | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Samy Deluxe war in den 90er-Jahren ein Hamburger B-Boy und ist heute ein Daddy, der unter Schuldgefühlen leidet, weil er sich zu wenig um seinen Sohn kümmert. Samy Deluxe war letzte Woche der Mittelpunkt der Vox-Show "Sing meinen Song" (Di 20.15 Uhr), bei dem eine Gruppe bekannter Musikerinnen und Musiker unter südafrikanischen Palmen zusammensitzt und Songs des anderen interpretiert.

Das Lied "Superheld" reimte Samy Deluxe für seinen Sohn. Da heißt es etwa: "Und ich weiß es, dass es manchmal nicht leicht ist, braun zu sein, wenn die Mehrheit hier weiß ist, und man schaut sich um und vergleicht sich, fühlt sich alleine und ist verzweifelt." Das Duo Bosshoss hat daraus eine Countrynummer gemacht. Ein schwarzes, von Weißen in einem weißen Musikstil intoniertes Klagelied ist ein gewagter Verfremdungseffekt. "Weck mich auf" entstand nach 9/11. Xavier Naidoo trug die gereimte Gesellschaftskritik wie ein Prediger vor, ein poprhetorisches Glanzstück. Solche Momente machen "Sing meinen Song" zur derzeit besten TV-Show.


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