Film Neu im Kino

Brav, aber informativ: "Peggy Guggenheim"


SABINA ZEITHAMMER
Lexikon | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Sie war Sprössling einer so reichen wie schrulligen Industriellenfamilie, fand ihr Zuhause in der Bohème statt in der Bourgeoisie und legte als Kunstsammlerin mit einem vergleichsweise winzigen Budget den Grundstein zu einer bedeutenden Sammlung. Sie war Autodidaktin und Galeristin, Ehefrau und Mutter, Mäzenin und Sammlerin unzähliger Liebhaber.

Mit "Peggy Guggenheim -Ein Leben für die Kunst" schuf Lisa Immordino Vreeland ein umfassendes Porträt. Die Grundlage des Dokumentarfilms bilden bisher unveröffentlichte Interviews, die die Biografin Jacqueline Bograd Weld kurz vor deren Tod 1979 mit Peggy Guggenheim führte. Beginnend mit einem Lebenslauf der Familie zeichnet Vreeland Guggenheims Biografie chronologisch nach. Eine reiche Palette an Fotografien und Filmausschnitten sowie Statements von Kunsthistorikern, Autoren, Museumsdirektorinnen, Kuratoren und Familienmitgliedern umkreisen ihre Bedeutung für die Kunstwelt ebenso wie ihre Persönlichkeit.

Die allgemeinen Einschätzungen über ihre Protagonistin geraten in Vreelands braver Inszenierung etwas wiederholend, die schwirrende Fülle biografischer Details, die sich noch in den Abspann hineinzieht, ein wenig chaotisch. Die Verortung einer außergewöhnlichen Frau, die die (Kunst-)Geschichte des 20. Jahrhunderts geradezu persönlich erlebte - ihr Vater ging mit der Titanic unter, Marcel Duchamp, Man Ray und Samuel Beckett zählten zu ihren Freunden und Affären, Max Ernst, dessen Flucht vor den Nazis sie finanzierte, wurde ihr zweiter Ehemann, Jackson Pollock wurde von ihr gefördert -, gelingt dennoch spannend und informativ. Und macht Lust, Peggy Guggenheims Lebenswerk persönlich in Augenschein zu nehmen: Beim nächsten Venedigbesuch soll ihre Collection nicht fehlen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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