Ohnmacht in Ottakring

Am Brunnenmarkt hat ein polizeibekannter Gewalttäter eine Frau erschlagen. Der Mord verunsichert die Anrainer. Denn er zeigt die Hilflosigkeit des Rechtsstaates in einem multikulturellen Vorzeigebezirk

Politik | REPORTAGE: FLORIAN KLENK | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Maria E. s Hinterbliebene haben vor die Grablichter ein weißes Blatt Papier mit roten Herzen gelegt. Sie haben den Zettel so drapiert, dass ihn alle am Brunnenmarkt lesen können: der türkische Gemüsestandler und der afghanische Tuchhändler, die indische Greißlerin und die deutsche Kellnerin, die deutsche Regisseurin im Parterre und die Journalistin in der Dachgalerie. "Du warst eine gute Mutter, Ehefrau, Oma und ein so guter Mensch!", steht auf dem Zettel geschrieben. Und dann steht da noch ein Wort. "Warum??"

Warum. "So einen Tatort", das erzählt ein erfahrener Polizist, der dabei war, "habe ich noch nie in meinem Leben gesehen." Was er hier in den frühen Morgenstunden des vierten Mai auf diesem dunklen Platz gesehen hat, werde er nie wieder vergessen. Mehr als eine Stunde lang habe die Feuerwehr den Tatort gereinigt.

Man kann das Geschehen eine Naturkatastrophe nennen. In gewisser Weise war es das auch. Ein Verrückter, eine rostige Eisenstange und eine Frau, die "zur falschen Zeit


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige