Landrand Ruralismus

Ich hab nicht gesagt, dass sie schön sind

Landleben | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Kürzlich in der Gartenabteilung. Ein älteres Paar entsteigt dem Auto, die Frau eilt zu den Gemüsepflanzerln. Man hört sie gereizt antworten: "Was heißt: 'Was kaufst denn'? Ich kauf einfach, was ich brauch! Fertig." Fortan sieht man den Mann mit hängenden Schultern dastehen, während sie Sechser-Trays mit Setzlingen ins Einkaufswagerl hievt. So wie zuvor das Auto fährt er nun das Wagerl. Am Land nehmen ältere Männer beim Einkaufen vor allem die Chauffeursrolle ein. Im Supermarkt vereinzelt selbst um ein Teil losgeschickt, sind weibliche Unmutsäußerungen ob Bringdauer und Inhalts des Gebrachten die Folge.

In der Stadt ist das Phänomen seltener zu beobachten, weil hier weniger per Auto eingekauft wird. Dafür zu sorgen, dass das täglich nötige Zeug den Weg nach Hause findet, ist aber auch hier überwiegend Frauensache.

Feldstudien deuten darauf hin, dass auch Städterinnen mit männlichen Beiträgen beim Einkauf nur mäßig zufrieden sind. Paar beim H&M, sie braucht Socken. Er: "DA sind Socken!" Sie, entgeistert: "Das sind GLITZER-SOCKEN!" Er: "Ich hab nicht gesagt, dass sie schön sind! Hab nur gesagt: Es sind Socken."


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