Das Volk und seine Feinde: Politologe Jan-Werner Müller über Populismus

Feuilleton | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Ruhig Blut empfiehlt der deutsche Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller im Umgang mit den Rechtspopulisten, die derzeit so erfolgreich sind. Es sei eine problematische Tendenz, sie einfach auszugrenzen, schreibt er: "Denn damit macht man ja genau das, was man den Populisten berechtigterweise selbst vorwirft: Man schließt sie im Namen der Moral aus."

Jan-Werner Müller lehrt in den USA an der Princeton University. 2014 hielt er am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen einen Vortrag, der nun in erweiterter Buchfassung vorliegt. Der zentrale Begriff dieser überaus aufschlussreichen Analyse ist jener des moralischen Alleinvertretungsanspruchs. Populisten berufen sich immer auf das wahre Volk, in dessen Namen sie handeln und dessen wahre Interessen sie gegen korrupte Eliten und Altparteien vertreten. "Kein Populismus ohne moralisch aufgeladene Polarisierung", schreibt Müller.

Diese moralische Selbsterhöhung erklärt auch, warum Populisten trotz Korruptionsvorwürfen so schwer


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